Neuigkeiten von und um Aspies e.V.


„Heilsamer Humor - Hilfe in der Not?“ - Aspies e.V. auf der Jahrestagung von HumorCare am 22.10.16



 

Durch Zufall stießen wir auf eine Anzeige, dass am 22.10.16 in Ludwigsburg die Jahrestagung  von HumorCare e.V. stattfinden sollte, mit Vorträgen und Workshops rund ums Thema „Heilsamer Humor“. Wir dachten, ob das nicht auch was für uns AutistInnen wäre? Denn es gibt unter uns ja viele, die mit Lebensproblemen oder Depression zu kämpfen haben und denen es helfen könnte, solche Dinge mit Hilfe von etwas Humor besser zu bewältigen. Wir AutistInnen sind ja oft mehr die „Kopf-Menschen“, die sich ein wenig schwer damit tun, schwierige Dinge leichter zu nehmen.

Aber wir fragten uns auch, ob ein therapeutischer Humor, der bei nichtautistischen Menschen angewendet wird, für uns AutistInnen überhaupt hilfreich sein könnte. Unsere Art von Humor ist ja oft eine andere: Wer ist war früher meist der letzte, der im Allgemeinen über einen Witz lachte, wenn überhaupt? - Der „Aspie“ in einer nichtautistischen Umwelt. Über unseren eigenen autistischen Humor-Stil können wir aber durchaus herzlich lachen.

 

Z.B. wenn Ludwigsburg gleich bei  liegt J Nun ja, die Sache versprach spannend zu werden - …

 

Die Vorträge

Das erste Referat hielt Alexander Korp zu Thema „Achtsamkeit und Humor - Mehr Freude erleben“: 

Zur Einführung wurden Definitionen und mögliche Zwecke von Humor und vorgestellt, z.B.: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt“ (Ringelnatz) oder „Hunger macht böse - und humorlos“ (d.h. wenn man etwas unbedingt „haben will“, ist es vorbei mit dem Humor). Man solle eher danach schauen, was man alles eigentlich schon habe.

Humor und Achtsamkeit: Durch Achtsamkeit könne man lernen, für das dankbar zu sein, was man schon habe und dabei innere Freude erleben. Daraus könne Gelassenheit entstehen. Gelassenheit mache empfänglich für Humor, der wiederum zu mehr Gelassenheit führe.

Freude vs. Humor: Beide Dinge wirkten zusammen, seien jedoch nicht dasselbe. Freude sei ein Gefühl, Humor hingegen eine geistige Leitung, denn „Witziges“ müsse über den Verstand erschlossen werden. So gesehen könne Humor auch erlernt und trainiert werden.

Letztendlich würde in der Humorforschung der Begriff „Humor“ auch als „Erheiterbarkeit“ verstanden, sei also weiter gefasst als die umgangssprachliche Bedeutung. Mit „Humor“ ist hier also eine persönliche innere Haltung und Verfasstheit gemeint.

 

Im 2. Vortrag von Frau Prof. Dr. med. Barbara Wild ging es um „Heilsamen Humor“ in der wissenschaftlichen Forschung:  Vorgestellt wurden verschiedene Studien über die Wirksamkeit eines Humor-Trainings-Konzepts nach Paul McGhee. Dabei stellte sich heraus, dass ein Humortraining anscheinend folgendes bewirken kann : Verringerung der Beeinträchtigung durch chronische Schmerzen, bei Herzkranken in positiver Weise das Stresslevel beeinflussen (Stress würde die Gesundheit dieser Patientengruppe noch mehr gefährden), Angst vermindern (Testgruppe mit chronischen Angststörungen) sowie generell Veminderung von depressiven Symptomen (bei allen getesteten Patientengruppen) und Verbesserung der Resillienz.

Da die Humorforschung noch recht neu sei, gebe es Studien noch nicht in einem solchem Umfang, dass man diese Resultate für alle Patientengruppen verallgemeinern könne. Die positive Tendenz sei aber zumindest deutlich sichtbar geworden.

 

Der dritte Vortrag von Paul Kunstermann (einer der Ersten, der sich für die Thematisierung des Humors und dessen heilsamer Wirkung im „Krankheitsbereich“ engagierte) war mehr praktischer Art:

Herr Kunstermann sprach über seine Erfahrungen als Humor-Begleiter  von Menschen in diversen Einrichtungen (psychiatrische Klinik, Altenheim mit Demenzkranken, Hospiz …) sowie als Leiter von Humor-Seminaren mit ÄrztInnen und Pflegekräften. Er machte deutlich, mit welch einfachen Mitteln es möglich (und nötig) sei, Beziehungen zu Patienten herzustellen und somit problematische „unpersönliche“ Krankenhaussituationen erträglicher zu machen.

Er zeigte Übungen, aber auch „Tricks“, um „Helfende“ dazu zu befähigen, durch „Humor“ emotional besser mit den erlebten teilweise sehr schlimmen Lebensschicksalen ihrer KlientInnen umzugehen.

 

Die Workshops: Es gab 2, die insbesondere für autistsiche Menschen von Interesse erschienen.

WS 1 von Erika Kunz „Der Clown als Meister der Lebenskunst - Einblicke in: Humor in der Pädagogik und Psychotherapie“ war leider eine komplette Enttäuschung. Die Erwartung war groß, man dachte: Jetzt gibt es Informationen darüber, wie Humor in der allgemeinen Psychotherapie tatsächlich angewendet wird. Und die Hoffnung, mit TherapeutInnen darüber ins Gespräch zu kommen, ob und wie Humor bei autistischen KlientInnen womöglich ganz anders funktionieren könnte. Zu sensibilisieren, dass es deshalb in der Therapie zu Missverständnissen kommen kann u.s.w. …

Nix dergleichen - Frau Kunz machte lediglich „Lustige Spiele“ zur Selbst- und Fremdwahrnehmung und das war’s, schade …

 

WS 2 war hingegen sehr interessant. Dr. Michael Titze sprach über „Humor in Körpersprache und Rhetorik“: Bekannt sei (uns AutistInnen vermutlich mehr theoretisch), dass der größte Teil der zwischenmenschlichen Kommunikation nonverbal ablaufe. Vorrangig über Mimik, teilweise über Gestik und zu einem geringen Teil verbal. In der Gewichtung dieser 3 Anteile unterscheidet sich die Kommunikation autistischer Menschen von nichtautistischer vermutlich, da Informationen wohl viel mehr verbal vermittelt werden.  Aber wir AutistInnen bewegen uns in einer überwiegend nichtautistischen sozialen Umwelt. Insofern kann es durchaus hilfreich sein, mehr über die Mechanismen der nonverbalen Kommunikation zu erfahren.

Kommunikationsanteil „Mimik“: Herr Dr. Titze erläuterte zunächst den Mechanismus der Entstehung von „Urscham“, wenn z.B. Säuglinge auf ihre (ungesteuerten) mimischen Signale keine Reaktion erhalten hätten. Nicht „angesehen“ werden könne das Grundgefühl verursachen „Ich bin nicht wichtig“. Auf dieser Grundlage könne sich später eine Scham-Depression  entwickeln (internalisieren) oder aber Aggression als Kommunikationsmittel entdeckt werden (externalisieren).

Kommunikationsanteil „Gestik/ Körpersprache: Menschen, deren nonverbalen Signale „Tiefstatus“ signalisieren, würden immer wieder in Mobbing-Situationen geraten. Der Kommunikationspartner reagiere darauf automatisch, z.B. mit Fremdschämen oder Aggression. Nonverbale Signale würden als kommunikative „Aufforderungen verstanden, die jeweilige Person so zu behandeln, wie sich selbst sehe - bei „Tiefstatus“-Signalen als Opfer. [Derartige nonverbale Kommunikation verläuft als Aktion-Reaktion-Mechanismus zumeist unbewusst, zumind. bei nichtautistischen Menschen. A. d. V.]

Dieser Mechanismus kann durch Training dahingehend genutzt werden, die eigene Körpersprache so anzupassen, dass vom sozialen Umfeld mehr positive Reaktionen erfolgen.

„Urscham“ sowie beschämende Erfahrungen des „Ausgelachtwerdens“ seien häufig Ursache für die Entwicklung einer Sozialen Phobie [davon sind auch viele AutistInnen betroffen, A.d.V.].

Auch hier könne Humor-Training helfen, die Symptome und Ängste zu vermindern. Herr Dr. Titze stellte praktische Übungsbeispiele vor.

Kommunikationsanteil „verbale Informationsvermittlung“: Ein weiteres körpersprachliches Phänomen könne man nutzen, um im sozialen Umfeld besser zurechtzukommen. Körpersprache bewirke nicht nur Reaktionen beim Kommunikationspartner, sondern habe auch Einfluss auf den eigenen verbalen Kommunikationsstil. So wähle man bei aufrechter Körperhaltung ganz automatisch (und unbewusst) ganz andere Worte als in gebückter Haltung.

 

Fazit: Zusammenfassend kann man sagen, dass diese Veranstaltung inhaltlich zwar nicht die Informationen erbrachte, die erwartet wurden, sich jedoch hinsichtlich ganz anderer Aspekte als durchaus interessant auch für autistische Menschen erwies:  Es wurden neue Bücher für die Aspies - Bibliothek erworben, mit praktischen Übungen, wie lernen kann, mithilfe von Humor in sozialen Situationen besser zurechtzukommen (und dabei authentisch zu bleiben!).  Außerdem gibt es vielleicht bald einen neuen Eintrag in unserer Fachkräfte-Datenbank.


Der Leserbrief von Aspies e.V., gesendet an „Zeit Online“, betr. Filmkritik:



Der Leserbrief von Aspies e.V., gesendet an „Zeit Online“, betr. Filmkritik: http://www.zeit.de/kultur/film/2016-10/unsere-zeit-ist-jetzt-cro-kino-martin-schreier

 

 

Betrifft: Ihr Artikel in „Zeit Online“ vom 06.10.2016; Filmkritik „Unsere Zeit ist jetzt“

 

Sehr geehrter Herr Wolf, sehr geehrte Zeit Online-Redaktion,

 

als Mitglieder unserer Selbstvertretungsorganisation „Aspies e.V. - Menschen im Autismus Spektrum“, welche bei der Entstehung des Films „Unsere Zeit ist jetzt“ in beratender Funktion an der Ausgestaltung der Rolle der autistischen Filmstudentin Vanessa mitgewirkt hat, möchten wir Ihnen hiermit unser Befremden bzgl. Ihrer Aussagen über das im Film entworfene Bild von Autismus mitteilen:

 

Sie schreiben: „[…] tatsächlich verrät der Film die Lebensrealität einer Person mit Autismus  […]

Unsere Frage: Wodurch wäre denn Ihrer Meinung nach stattdessen die tatsächliche Lebensrealität einer Person mit Autismus gekennzeichnet? Auf welchen persönlichen Kenntnissen und Erfahrungen gründen Sie Ihre Vorstellung von der tatsächlichen Lebensrealität autistischer Personen, z.B. solchen mit ähnlichen Grundeigenschaften wie die fiktive Filmfigur Vanessa: jung, autistisch, intelligent, weiblich, Studentin, attraktiv, künstlerisch-kreativ interessiert statt „IT-Nerd-Typus“,  …?    

 

Sie schreiben außerdem: […] dass dem Film […] wenig daran gelegen ist, ein ehrliches Bild des Symptoms zu zeigen.

Unsere Frage: Wie sähe denn ein nach Ihrer Auffassung „ehrliches“ Bild des Asperger Syndroms aus? Konkreter gefragt: Welche eigenen Erfahrungen im alltäglichen Umgang mit autistischen Menschen hat Ihr „Bild“ von geprägt, das sie für „ehrlich“ halten?  

Wie viele Asperger-Menschen haben Sie inzwischen so gut kennengelernt um sich für kompetent genug zu halten für eine Beurteilung, wie realitätsnah Ihr persönliches „ehrliches Bild des Symptoms“ denn in Wirklichkeit ist?

 

Nicht einmal mal wir selbst, die die wir tagtäglich mit unserem eigenen Autismus und mit vielen anderen autistischen Menschen zu tun haben, würden uns je anmaßen, eine allgemeingültige Aussage darüber zu treffen zu können, wie denn ein zu 100% „ehrliches“ Bild des „Syndroms“ konkret auszusehen habe. Wir stellen immer nur fest: Wenn wir wieder autistische Person kennenglernt haben - Dann haben wir wieder genau eine autistische Person kennengelernt.

  

Ihre Aussage zur „inhaltlichen“ Einbettung der autistischen Vanessa in den Film:

Sie schreiben:  „Deswegen darf Vanessa [….] nicht die eigentliche Hauptfigur sein.“

Unsere Frage: Aus welchem Grund sollte in einer Komödie, bei dem sich alle Handlungsstränge, vom Grundkonzept her, allein um ein einziges „Person“- Zentrum des Rappers Cro herum gruppieren, am Ende ausgerechnet die Filmstudentin Vanessa als „eigentliche Hauptrolle“ hervorgehoben werden? Weil sie Autistin ist? Und dadurch per sé für die „Sonderrolle“ prädestiniert?  

 

Was uns wieder zurück zu unserer ersten Frage führt:  Eine autistische Person als „eigentliche Hauptfigur“ - Wäre dies für Sie ein „Bild des Syndroms“, das die Lebensrealität autistischer Menschen „ehrlicher“ darstellt?

 

Wir wissen nicht, ob oder inwieweit der Filmkritiker Herr Wolff die tatsächliche „Lebensrealität“ autistischer Personen kennt bzw. welche persönlichen Kriterien er zur Beurteilung der „Ehrlichkeit“ von Bildern, die in den Medien von autistischem Leben entworfen werden, zugrunde legt.

 

Einer Tatsache aber sollten sich Filmzuschauer und -kritiker bewusst sein:

Kein autistischer Mensch ist wie eine andere, weder hinsichtlich der Gesamtheit ihrer autistischen Persönlichkeitseigenschaften noch ihrer Lebensrealität.

Insofern kann keine Einzelperson mit Autismus als allgemeingültiger Maßstab dafür gelten, wie denn ein Bild von Asperger Syndrom „idealtypisch“ zu sein hat. Die gilt ebenso wenig für die fiktive Filmfigur Vanessa wie für autistische Individuen im realen Leben. Autismus ist ein breites Spektrum.

 

(Geschäftsführung Aspies e.V. - Menschen im Autismus Spektrum)

 

Links zu Meinungen anderer autistischer Menschen zum Film „Unsere Zeit ist jetzt“:

http://leidmedien.de/aktuelles/kinofilm-unsere-zeit-ist-jetzt/


Aspies e.V. und „Roter Teppich“ ?! - AutistInnen beraten beim Kinofilm „Unsere Zeit ist jetzt“



Aspies e.V. und „Roter Teppich“ ?! - AutistInnen beraten beim Kinofilm „Unsere Zeit ist jetzt“   

Gestern startete der Film „Unsere Zeit ist jetzt“ in den deutschen Kinos (http://www.filmstarts.de/kritiken/238270.html), in dem eine der Hauptfiguren eine junge Filmstudentin mit Asperger ist. Mitglieder von Aspies e.V. waren als “ExpertInnen in eigener Sache“ beratend im Entstehungsprozess dabei.

 

Der Beginn der Zusammenarbeit

Am 09. Januar 2015 ging bei Aspies e.V. eine Mail ein, die sehr spannend klang:

 

Sehr geehrter Herr Döhle,
mein Name ist Arend Remmers und ich bin Drehbuchautor. Ich arbeite aktuell an einem Kinofilm, in dem eine der Hauptfiguren Asperger hat. Diesbezüglich würde ich mich sehr gerne mit jemandem treffen, der/die sich mit diesem Thema gut auskennt oder vielleicht selbst betroffen ist. Ich habe viele Fragen und würde mich sehr freuen, wenn Sie mir weiterhelfen könnten
.“

 

Wow, dachten wir. Sollte man hier wirklich an der Meinung von „echten“ AustistInnen interessiert sein? Um einen Kinofilm zu machen? Sollte das wirklich wahr sein? Denn in unserer bisherigen Wahrnehmung wurden in Filmen, Geschichten, Romanen etc., die Figuren mit Autismus doch immer nur allein von Nicht-AutistInnen ausgedacht.

 

Autismus scheint wohl seit einiger Zeit einfach „Mode“ zu sein;  aber fiktionale autistische Figuren eher „exotisches Beiwerk“, mehr zur „Unterhaltung“ der nichtautistischen Konsumentinnen kreiert, weniger als Beitrag zu einer differenzierteren öffentlichen Wahrnehmung des Themas Autismus.

Oder wurden wir „Echten“ in der Vergangenheit öfter mal gefragt, wenn ein Film gemacht werden sollte, ob das Bild auch von uns auch stimmt? - Nicht wirklich, oder?

 

Aber nun diese Mail-Nachfrage? - Na ja, dachten wir. Mal sehen - An wirkliches Interesse von „denen“ glaubten wir zunächst nicht … Obwohl wir uns ja insgeheim schon wünschten, „denen“ unsere Innensicht irgendwie zu vermitteln (aber ohne Glauben, dass diese wirklich berücksichtigt werden würde (Doch „nicht bei  so ‘nem „Til Schweiger“ - Film, oder? …).

 

Das erste Treffen

Skepsis: Lohnt sich das? Zeitverschwendung? „Die“ werden doch eh‘ machen, was „sie“ wollen? „Wir“ können doch nix beeinflussen … 

Doch es kam anders: Erstaunlicherweise ließ man nicht locker, wollte wirklich unsere Meinung.

Am 28.04.2015 dann das erste Treffen in Berlin Kreuzberg: 2 Aspies e.V. - Vorstandsmitglieder mit Drehbuchautor Ahrend Remmers + Peri Baumeister, welche die Rolle der „Vanessa“ (Filmstudentin mit Asperger) übernehmen sollte.

Für uns überraschend: Ein wirklich intensiver Austausch. Man schien echtes Interesse an unserer Innensicht zu haben. Langsam fassten wir mehr Vertrauen und überlegten, vorsichtig (weil wir uns ja doch evtl. täuschen könnten), ob das hier eine Chance sein könnte, zu einer mehr realistischeren und positiveren öffentlichen Wahrnehmung von Autismus beizutragen? Im Verlauf des Treffens entwickelten wir mehr und mehr „positive Neugier“ …

 

Die Weiterarbeit:  Das Drehbuch

Oh, man war wohl doch ernsthaft interessiert an „unserer“ Sicht auf Autismus? Schien uns „Insider-Wissende“ womöglich als gleichberechtigte Partner und „Expertinnen“ für Autismus zu schätzen und „auf Augenhöhe“ zu respektieren?

War so,  denn man schickte uns sogar das Drehbuch zur „Durchsicht“.  Natürlich mussten wir zum damaligen Zeitpunkt eine „Schweigepflicht-Erklärung“ unterschreiben. Deshalb durften wir euch bis jetzt auch nichts über den Film erzählen. Im Nachhinein auch verständlich, denn der Film entwickelte sich ja noch …

Es war nämlich so, dass während der Entstehungszeit des Films viele Leute am Drehbuch „mitschreiben“ durften (Und ja, auch wir von Aspies e.V. konnten Meinungen einbringen …). So ein „Offenes Drehbuch“ ist wohl in der Filmgeschichte was Besonderes (Das meinten jedenfalls alle die Beteiligten während des Interviews bei der Premiere) …

 

 Aspies e.V.und das Drehbuch zum Film „Unsere Zeit ist jetzt

Da das Genre „Komödie“ natürliche Grenzen setzt, waren Änderungen am Grundkonzept selbstverständlich unmöglich.

Trotzdem war es uns wichtig, dass das Thema „Autismus“ nicht als „lächerlich“ vermittelt wird. Und hier, denken wir, konnten wir am Ende doch wirksam werden. Denn am „Endprodukt“ konnten wir feststellen, dass man bei Einzelheiten wirklich auf uns gehört hatte; Man unsere Meinung wichtig genommen hatte. Da anscheinend manche Szenen, nach „unserem“ Rat, letztendlich mehr „autismusgerecht“ modifiziert wurden.

 

Persönliche Zusammenarbeit: Eine Hauptrolle - „Vanessa“ (autistische Filmstudentin)

Nach diesem ersten Treffen kam es zu einer sehr persönlichen Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Peri Baumeister („Vanessa“) im Sommer 2015. Nun waren wir wirklich überzeugt, dass man auf unsre Informationen aus „erster Hand“ echten Wert legte. Unser Vertrauen wurde nicht enttäuscht. Peri Baumeister interessierte wirklich: Sie lieh sich Bücher aus der Aspies e.V. - Bibliothek aus, las Biografien, versuchte, im persönlichen Gespräch, „unsere“ spezielle autistische Wahrnehmung zu verstehen und für ihre Rolle nachzuvollziehen. Und am Ende wusste sie sogar „unsere“ Denkart zu schätzen: „Menschen mit dem Syndrom nehmen sehr ernst, was ihnen gesagt wird […]  Es ist eine sehr direkte, lehrreiche und ehrliche Denkweise, in die ich mich verliebt habe.“  (http://www.moviepilot.de/news/unsere-zeit-ist-jetzt-peri-baumeister-im-interview-I 78840)

 

Aspies e.V. beim Dreh:   

 

Eine weitere Erfahrung von Respekt und Wertschätzung von „uns“ AutistInnen war, dass wir auch beim Dreh dabei sein durften. Wir erhielten einen Einblick darin, wie viel Arbeit, Zeit und Mühe darin investiert wird, damit Szenen, die im Film nur ein paar Sekunden dauern, am Ende „perfekt“ werden. Dieser enorme Aufwand wird dem Kinopublikum natürlich niemals gezeigt …

 

Auch am Drehort wurde „uns“ (Aspies) viel Respekt entgegengebracht. Jeder bedankte sich immer wieder für unsere Mitarbeit, man kümmerte sich, dass es „uns“ gut geht, dass wir Mittagessen bekommen, Getränke, dass „wir“ gute Sicht haben u.s.w. Und auch hier:  Unsere Mitarbeit war immer willkommen: Egal, ob es nun autistische „Spitzfindigkeiten“ handelte (z.B., Rechtschreibfehler, solche bereiten „uns“ ja meist fast körperliche Schmerzen ;-). Aber man hat uns nicht belächelt, sondern die Dinge „einfach so“ unkompliziert korrigiert (obwohl NAs für solche „Nebensächlichkeiten“ ja eher wenig Sinn und Geduld haben …).

 

 

 

Nach der „Letzten Klappe“

Schließlich waren irgendwann, Ende August 2015, alle Aufnahmen „im Kasten“. Der Regisseur, Martin Schreier, meinte zu uns: Jetzt würden aber erst die eigentlichen Arbeiten beginnen, der Filmschnitt … Das könne lange dauern, ggf.   mehr als ein Jahr …  

 

 Aspies e.V. nach Fertigstellung des Films: „Unsere Zeit ist jetzt

Nun ja, die Fertigstellung des Films dauerte dann auch. Am 27.09.2016 war dann endlich Premiere …

 

Unsere Zeit ist jetzt“ - Die Premiere

Und am Ende noch eine positive Überraschung:  Eigentlich sind wir es gewohnt, dass man von uns AutistInnen zwar gerne Informationen annimmt, uns danach aber, wenn „der Mohr seine Schuldigkeit getan hat“, wieder „vergisst“. Nicht diesmal: Noch ein Beweis, man „uns“ wirklich respektiert hat und „unsere“ Mitarbeit zu schätzen wusste. Wir wurden zur Premiere am 27.09.16 im berliner Sony Center eingeladen.

Auf den „Roten Teppich“ - Oh jeh! Das hatten wir von Aspies e.V. nun wirklich nicht erwartet. Hoffentlich haben wir Aspies uns da nicht ganz „blamiert“, weil wir, wie viele AutistInnen nicht so wirklich Ahnung haben vom dem ganzen  „Schick-Machen“ b.z.w. Anpassung der „Kleiderordnung“. 

Liebe Mitglieder, wir haben uns wirklich bemüht. Aber ob der „Lidl-Rucksack“ auf dem „Roten Teppich“ wirklich angebracht war- Peinlicher Lapsus - Aber ihr werdet es uns nicht ganz übelnehmen, oder?

 Unsere Zeit bist jetzt“ - Die „After-Show-Party“ im „Spindler & Klatt“

     Auch hier hatte man daran gedacht, uns einzuladen. Auf der Party trafen wir auch wieder den Drehbuch-Autor Ahrend Remmers. Der bedankte sich noch einmal bei uns für die tolle Beratung. Und betonte nochmals, dass „wir“ (AutistInnen) „eine große Hilfe“ bei der Entstehung des Films „Unsere Zeit ist jetzt“ waren.

 

Aspies e.V. - Nach Fertigstellung des Films „Unsere Zeit ist jetzt“

Auch nach dem Film-Start in den deutschen Kinos ist die Zusammenarbeit zwischen den „Machern“ und Aspies e.V. noch nicht beendet.

Man ist auch im Nachhinein noch sehr an unserer (und eurer) Meinung interessiert.

 

Peri Baumeister (Rolle der autistischen Vanessa), z.B., würde gerne wissen, wie „wir“ (AutistInnen) ihre Darstellung der Filmfigur bewerten (Lob + Kritik sind ihr gleichermaßen willkommen).

(Bildquelle: http://www.critic.de/images/media-title-Unser-22.jpg)

 

Also geht in den Film (auch wenn ihr Til Schweiger oder Cro nicht mögt … An den Stellen könnt ihr ggf. die „Augen zu machen“)

Peri hatte sich wirklich alle Mühe für die Rolle gegeben, und hat ein echtes Interesse an unseren Rückmeldungen.

 

Fazit:

Nach unserem Bericht unsere Empfehlung an alle: Geht ins Kino! Schaut euch den Film an!

Wir finden die Darstellung der Rolle der (autistischen Filmstudentin) „Vanessa“ gelungen. Egal, was man sonst von der (eher banalen) Filmhandlung denken mag.

Unsere Zeit ist jetzt“: Uns gefällt’s - Jedenfalls die Gestaltung der Rolle der autistischen Vanessa. Aber die allein hatte uns ja auch  in erster Linie interessiert. Der Rest: Die Handlung, Til Schweiger u.s.w. - Nun ja, ist halt Geschmackssache …

 

Für uns „Betroffene“ in erster Linie  interessant: Die Gestaltung der Rolle der Asperger-Vanessa. Die hat denjenigen von uns, die den Film bereits gesehen haben, sehr gefallen. Peri Baumeister hat nach unserer Meinung alles richtig gemacht. Wir finden ihr „Spielen“ sehr überzeugend, 100 Punkte! Vor allem auch, weil eine weibliche Autistin bestimmt nicht so einfach zu verkörpern ist.

______________________________________________________________________

Wenn uns nach diesem Bericht uns jetzt verdächtigen sollte, wir würden hier jetzt  dass wir hier womöglich Werbung für den Film machen, weil uns „Warner Bros“ dafür bezahlt -  Nee, “Pustekuchen“. Geld gab`s leider nicht.

Dafür ein paar positive Erfahrungen und die filmische Darstellung einer fiktiven jungen Frau mit Asperger Syndrom , die wir sehr gelungen finden.


Bericht: Aspies e.V. und das Grips Theater Berlin - Die Inklusionsworkshops in berliner Schulen



Zwei Schuljahre lang liefen sie, die gemeinsamen Inklusions-Workshops des Grips Theaters und Aspies e.V. in berliner Schulen. Jetzt sind sie zu Ende. Was nicht an mangelnder  Nachfrage lag , sondern daran, dass aufgrund äußerer Umstände viele Schauspieler des Grips Theater-Teams von Berlin in eine andere Stadt gewechselt sind, sodass das Stück „Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone“, an welches die Workshops gekoppelt waren, nun nicht mehr im Grips Theater gezeigt werden kann.

Die Theaterpädagogischen Workshops zum Thema Inklusion waren zwar an den Besuch des Theaterstücks gebunden, konnten aber auch unabhängig vom Thema „Autismus“, je nach individuellen Bedürfnissen der Schulklasse angepasst, stattfinden. Die Workshops wurden gleichberechtigt geleitet von jeweils einem (autistischen) Mitglied von Aspies e.V. und einer theaterpädagogischen Fachkraft und waren bis zum Schluss ausgebucht und erfolgreich gelungen.

 

Wie es zu dieser Zusammenarbeit kam:

Die Zusammenarbeit mit dem Grips Theater begann eher zufällig: Ein Mitglied von Aspies e.V., Lehrerin für Darstellendes Spiel, informierte uns, dass im Grips Theater demnächst das Stück “Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone“ aufgeführt werde sollte. Diesen Bestseller-Roman kennen ja wahrscheinlich die meisten. Als Theaterstück durfte der bisher allerdings nicht realisiert werden, da sich Hollywood die Aufführungsrechte auf Jahre hinaus gesichert und bis dato nicht freigegeben hatte.

2014 war es aber soweit: Der Jugendroman um die Hauptfigur des jugendlichen Aspergers Christopher Boone durfte für eine begrenzte Zeit auf die Theater-Bühne. Viele Ensembles in Deutschland hatten diese Chance genutzt und nahmen das Stück ins Programm. So auch das Grips Theater Berlin.

Zunächst gab es einen Info-Abend mit Teilnahme an Proben. Hier kamen wir mit dem Verantwortlichen für die pädagogische Arbeit, Phillip Harpain (der jetzige künstlerische Leiter des Grips Theaters) in Kontakt.

 

Die Planung der Inklusionsworkshops

Daraus entstand die Idee, dass das Thema der an das Theaterstück angeschlossenen Schüler-Workshops „Inklusion“ sein sollte, allgemein (oder speziell zum Thema „Autismus“, wenn die Schulen das wünschten, was meist der Fall war). Die Workshop-Leitung sollte diesmal allerdings von „Doppel-Teams“ übernommen werden: Jeweils eine theaterpädagogische Fachkraft und ein Mitglied von Aspies e.V. sollten gemeinsam die Workshops durchführen.

 

Die Vorbereitung der Worksshops

 Nachdem sich 4 Mitglieder von Aspies e.V. zusammengefunden hatten, konnte es losgehen: Zunächst gab es ein Vorbereitungstreffen, bei dem wir unsere theaterpädagogischen PartnerInnen sowie die pädagogische Leitung durch Phillip Harpain und Susanne Lipp kennenlernten. Feste 2-er Teams sollten gebildet werden. Was anfangs so „geregelt“ geplant war, konnte nicht wirklich durchgehalten werden. Letzten Endes wurden die Teams, je nach Erforderlichkeit, immer wieder neu zusammnegesetzt. Schwer zu ertragen für uns AutistInnen, aber „was sein muss, muss sein!“ - Und wir alle haben es letztendlich auch „hinbekommen“.

 

Die Durchführung der Workshops

Während der Schuljahre 2014/ 2015 und 2015/2106 konnten wir aufgrund der hohen Nachfrage alle Workshops durchführen, die durch den Finanzierungsplan ermöglicht wurden.

Hier können wir von einem großen Erfolg bzgl. der Interessen junger autistischer Menschen berichten: Fast immer wurde von den Schulen das Thema „Autismus“ nachgefragt. Sehr oft befanden sich in den Schulklassen Asperger-Kids, ob geoutet oder nicht. Diese SchülerInnen profitierten alle von uns erwachsenen Autistinnen. Sie hatten viele Fragen an uns und großes Interesse daran, mit uns ins Gespräch zu kommen. Diese, meist privaten Gespräche, wurden von den Jugendlichen als  sehr hilfreich empfunden. Ein Beispiel: Ein Junge berichtete uns von seinen Overloads (von ihm natürlich nicht als solche bezeichnet) im Kaufhaus Alexa, er wollte wissen, ob wir Erwachsenen das auch kennen würden. Als wir Ja sagten, war er ernsthaft überrascht und erleichtert. Wir konnten ihm als Erwachsene mit mehr Erfahrung mit Overload-Situationen Tipps geben, wie er in Zukunft rechtzeitig reagieren könne. Dafür war der Junge dankbar.

Eine andere Frage betraf die Berufswünsche von jugendlichen AutistInnen: Ein Junge sagte, er würde gerne Pilot eines Sanitäts-Hubschraubers werden. Er zweifelte aber daran, dass dies mit seiner Asperger-Diagnose möglich wäre. Diese Angst konnten wir ihm nehmen. Denn niemand dürfe von ihm verlangen vor einer Ausbildung solche persönlichen Diagnosen preiszugeben. Und überhaupt, warum sollte ein Autist, der sonst keine gesundheitlichen Einschränkungen habe, nicht Hubschrauberpilot werden?

Auch die Workshops in anderen Schulen waren sehr konstruktiv: So waren wir z.B. in der ISS Paul-Löbe-Schule, die intensiv daran arbeitet, Schule mit Schwerpunkt „Autismus“ zu werden. Die LehrerInnen waren sehr interessiert an einem Gespräch mit uns; wir lernten auch eine Schülerin einer „Autismus-Klasse“, die auf Wunsch an dem WS teilnahm (das erste Mal in einer „großen“ fremden Lerngruppe voller NichtautistInnen!) und sich sogleich traute, einen Kurzvortrag vor all den fremden SchülerInnen zu halten. Sowohl die LehrerInnen als auch der Betreuer konnten es kaum fassen … Auch hier erwies sich das vertraute Gespräch „von Autistin zu Autistin“ als eine Art „Brücke“ zur nichtautistischen Welt …

Derartige Begegnungen gab es viele. Daher ist es schade, dass diese Inklusions-Workshops nicht weitergeführt werden können. Bedarf wäre genug, auch Nachfrage … Aber ohne dazugehöriges Theaterstück gibt es leider keine Finanzierung mehr.

 

Die Nachbereitung der Workshops

Nach Ende des Schuljahres 2015/ 2016 gab es noch ein Abschlussgespräch zwischen allen WorkshopleiterInnen, den theaterpädagogischen und den „Expertinnen in eigener Sache“, uns Autistinnen. Alle berichteten von positiven Begegnungen mit autistischen SchülerInnen. Und alle meinten, dass eine Begegnung mit autistischen Erwachsenen den Jugendlichen gut tun würde.

 

Fazit

Die gemeinsamen Inklusionsworkshops von Aspies e.V. mit dem Grips Theater waren ein Erfolg. Leider ist das Projekt jetzt beendet, da das dazugehörige Theaterstück nicht mehr aufgeführt werden kann. Das ist schade, vielleicht ergibt sich in Zukunft ja noch mal eine Gelegenheit, diese Workshops weiterzuführen ...


Der Aspies e.V. - Autismustag 2016



Der Aspies e.V. - Autismustag 2016

Am 11. Juni 2016 fand wieder unser jährlicher Autismustag „von und für AutistInnen und Interessierte“ statt. Eigentlich war der für den 18.6., dem regulären Datum des „Autism Pride Days“, geplant. Das hat aus organisatorischen Gründen nicht ganz geklappt. Als Ausgleich konnten wir dafür jedoch wieder, wie schon im letzten Jahr, die schönen Räumlichkeiten des Jugendkulturzentrums PUMPE nutzen.

Die Teilnehmer haben sich im geräumigen Theatersaal wohlgefühlt und konnten diesmal sogar die Pausen in der Frühlingssonne des grünen Innenhofes genießen.

 

Das Programm

In diesem Jahr ist es uns gelungen, eine gute thematische Mischung verschiedenartiger Beiträge zusammenzustellen. Wir streben immer an, bei unserem Autismustag nicht nur Probleme zu benennen, autistisches „Leid“ zu zeigen, sondern vor allem auch „Pride“ aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen.

 

I. Vortrags-Block: Was kann autistischen Menschen in besonderen Problemlagen helfen?

So ging es im ersten Vortrag um „Autismus und Elternsein“. W. Laßleben berichtete von den diversen juristischen Hürden, die manchmal zu überwinden sind, damit ein autistisches Kind erfolgreich auf einer regulären Schule lernen darf. Er machte anderen Eltern Mut und gab wertvolle Hinweise, welche Rechte behinderten Menschen laut Gesetz zustehen und wie man sie durchsetzen kann.

Im zweiten Vortrag sprach B. Saalfrank, Psychotherapeutin und Autistin, über ihre Erfahrungen mit Psychotherapie, sowohl aus der Sicht der Fachkraft als auch aus der als Patientin. Sie hat beide Perspektiven erlebt und von beiden Erfahrungen profitiert. So konnte Frau Saalfrank den Teilnehmern wertvolle Informationen und Denkanstöße geben, welche psychotherapeutischen Verfahren hilfreich sein könnten und wie man diese ggf. an die individuellen Besonderheiten der jeweiligen autistischen KlientInnen anpassen könnte oder was bei der Gestaltung der therapeutischen Beziehung berücksichtigt werden sollte. Die anschließende Diskussion zeigte, dass Frau Saalfranks Ausführungen nicht nur von den autistischen ZuhörerInnen mit Interesse aufgenommen wurden, sondern auch von einzelnen nichtautistischen Fachkräften im Publikum.

Mittagspause: Huuuuunger …

Nach den Vorträgen ging es in die Mittagspause. Am leckeren Buffet konnte jeder seinen Hunger stillen.

 

 

Es war für jeden Geschmack etwas dabei:

<--  Belegte Brötchen, vegan oder traditionell, Obst, Getränke …

 

 

 

Dann konnte man sich im sonnigen Innenhof der PUMPE erholen, bevor es weiterging.

 

II. Vortrags-Block: Als Autist im Studium, am Arbeitsplatz und Kommunikation in einer nichtautistischen Welt …

Im Vortrag „All inclusive  im Studium?! - Von Komorbiditäten, Spätdiagnostizierten und Nerds ohne Marktwert" sprach I. Heuer über die Missstände im deutschen Universitätssystem, in dem es autistischen Menschen kaum gelingen kann, im Forschungsbereich „Fuß zu fassen“, obwohl dieser durchaus für sie geeignet wäre und die Wissenschaft von ihren Kenntnissen und Fähigkeiten profitieren würde. Auch die Art der Umsetzung der Bologna-Reformen bei der Einführung des Bachelor/Master-Systems führte zu einer deutlichen Erhöhung der Barrieren.

Danach folgte der sehr lebendige und anschauliche Vortrag zum Thema Kommunikation von E. Schramm. Frau Schramm ist Autistin und arbeitet erfolgreich als Beraterin für Unternehmen, die ihre Kommunikationsstrukturen verbessern wollen. Dabei nutzt sie Besonderheiten autistischer Kommunikationsstile, von denen die nichtautistischen Teams der jeweiligen Firmen profitieren.

 

Kaffeepause: Erholung in der Frühlingssonne und ins Gespräch kommen

 

<--  Kennenlernen bei Kaffee und Kuchen …

 

… oder Unterhaltung beim Spazierengehen -->

 

 

 

III. Vortrags-Block: Autistic Pride - AutistInnen in Kunst und Medien

Dass sich die Talente von AutistInnen, entgegen der häufigen Klischeevorstellung der nichtautistischen Welt, nicht auf Mathematik oder den IT-Bereich beschränken, zeigten die Beiträge des 3. und letzten Blocks.

Der erste Beitrag war die eindrucksvolle Performance von K. Knäpper:

AnderEs - Risse in der Zeit - Visuelles KörperTheater. WahrnehmungsSpiel mit den verschwimmenden Grenzen  zwischen Innen und Außen“

Durch das Zusammenspiel von Licht und den anderen Beteiligten: Raum und Zeit, einem Techniker, einem Körper (Kurt K.), Gästen und Geistern und dem Publikum entstand eine besondere Atmosphäre, als ob man sich irgendwo zwischen Traum und Wirklichkeit befände.

 

Danach sprach Friedrich Pfeil über die Entstehung seiner digitalen Grafiken. Beispielweise welchen Einfluss persönliche Eindrücke und Erfahrung auf Farb- und Formgebung haben.

Im letzten Vortrag erzählte D. Linke von der Entstehung der Zeitschrift „N#mmer“,  von der Idee am Anfang bis zu den fertigen Ausgaben, und welchen Anteil AutistInnen dabei haben.

So stammen z.B. viele der Artikel und Texte von autistischen Menschen.

 

 

Anschließend konnte man Exemplare der aktuellen „N#mmer“ - Ausgabe käuflich erwerben.

 

Fazit:

Aufgrund der zahlreichen positiven Rückmeldungen können wir sagen, dass unser Autismustag auch in diesem Jahr beim Publikum gut angekommen ist.

Das Lob freut uns und „belohnt“ die vielen Mühen und Anstrengungen, welche die Organisation einer solchen Ganztagsveranstaltung im Vorfeld immer mit sich bringt.

Das Lob geben wir auch sehr gerne weiter an all die „helfenden Händen“, die uns so engagiert unterstützt haben.

Ohne euch, die ihr z.B. am Eintritt die Tickets verkauft, die ihr euch ums Kaffeekochen gekümmert, die ihr dafür gesorgt habt, dass immer frisches Mineralwasser zur Verfügung stand, die ihr Kuchen mitgebracht, beim Umräumen, Aufräumen, Transportieren geholfen, im Buffetraum nach dem Rechten gesehen habt … euch allen ist es zu verdanken, dass der auch der Autismustag 2016 eine gut gelungene Veranstaltung geworden ist, bei der sich die Teilnehmer wohl gefühlt haben.


08. - 10. April 2016: Aspies e.V. Mitgliederversammlung



Das Wochenende 08. - 10. April 2016: Aspies e.V. Mitgliederversammlung, Rahmenprogramm und  und Kennenlerntreffen

 

Am Wochenende 08. - 10. April war es mal wieder so weit: Aspies e.V. lud zur jährlichen Mitgliederversammlung ein und natürlich auch wieder zum Rahmenprogramm und Gelegenheiten zu gegenseitigem Kennenlernen.

 

Diesmal nicht, wie sonst, in die Alte Fasanerie oder nach Tegel ins Haus Holon, sondern nach Berlin Weißensee,

ins KuBiZ.

.  

 

 

Das Tagungswerk KuBiZ ist ein Kulturzentrum mit schönen, hellen Räumen, das auch Räumlichkeiten für Tagungen anbietet sowie Übernachtungsmöglichkeiten.

 

 

 

Die Mitgliederversammlung

Der Seminarraum, in dem wir uns zur Mitgliederversammlung trafen, war größer als in der im vergangenen Jahr. Das war auch gut so, denn in diesem Jahr kamen so viele TeilnehmerInnen wie noch nie.

Die Veranstaltung selbst war diesmal zeitlich besser und straffer durchgeplant und dank des Versammlungsleiters, der sehr darauf achtete, dass der Zeitplan möglichst eingehalten wurde, konnten auch alle Tagesordnungspunkte zügig abgearbeitet werden.  So blieb am Ende viel Zeit, um Pläne für dieses Jahr, 2016, zu besprechen. Beispiele für Vorhaben sind u.a.: Die intereuropäische Vernetzung, die vor einigen Jahren begann und insbesondere 2015 erweitert und intensiviert wurde, soll weiter ausgebaut werden.

 Auch soll in diesem Jahr die Öffentlichkeitsarbeit deutlich verbessert werden. Es gab die Idee, das Buch „Risse im Universum“ als Hörbuch zu veröffentlichen bzw. veröffentlichen zu lassen (die Erlaubnis des Verlages ist natürlich Voraussetzung).

Dann wird es im Juni wieder einen Autismustag von Aspies e.V. geben. Die Vorbereitungen sind weitgehend abgeschlossen.

Ein anderes Vorhaben ist eine Vernetzung von Autismus-Gruppen und -Vereinen. Nicht nur ausschließlich mit Autismus. Ein weiteres Vorhaben ist der Ausbau der Kooperation mit ADHS  Deutschland e.V. Denn beide Organisationen haben z.T. dieselbe Zielgruppe: Bei Aspies e.V. gibt es viele autistische Mitglieder, die ein gleichzeitiges ADHS haben, wie auch bei  ADHS - Deutschland e.V. der Anteil von Personen, die nicht nur ADHSler, sondern auch AutistInnen sind, ebenfalls recht hoch ist.

Außerdem sollen Kontakte zu Selbsthilfegruppen erhalten und ausgebaut werden. Auch die Unterstützung und Gründung von neuen SHGs wird Aufgabe für 2016 sein. Bisher befinden sich in Berlin 2 neue SHGs in Gründung: Eine Gruppe für LSBTQ - AutistInnen und eine für Menschen mit der Doppeldiagnose AS + AD(H)S. Auch in Wernigerode ist die offizielle Gründung einer SHG für autistische Erwachsene geplant. Sobald konkrete Daten neuer Gruppen verfügbar sind, werden sie in der Liste auf unserer  Homepage veröffentlicht.

Des Weiteren ist die Etablierung von regionalen Aspies e.V. -Ansprechpartnern im Bundesgebiet geplant.

 

Rahmenprogramm - Besuch des DDR Museums

In diesem Jahr ging es gemeinsam ins DDR-Museum. Wir hatten dort eine Gruppenführung bestellt. die thematisch auf die TeilnehmerInnen abgestimmt werden sollte. Unter uns waren ja Personen verschiedener Altersgruppen. Einige hatten die Zeit, in der die DDR existierte, noch erlebt, andere kannten sie nur vom Hörensagen, manche waren vorwiegend im  Westen sozialisiert, andere im Osten … Wir waren also ein bunter Haufen. Dazu kamen natürlich diverse autistische Besonderheiten, die jeder von uns so mitbrachte.

 

Das führte bei der Führerin zu allerlei Irritation. Manchmal wirkte sie doch leicht hilflos, wenn ihr von manchen unserer „spezial Interessierten“  immer mehr und immer noch detailliertere Fragen gestellt wurden …

 …  Nun ja, es wird ihr sicher nicht geschadet haben

und sie sich das nächste Mal vielleicht besser darauf vorbereiten.

 

Alles in allem fanden die Teilnehmer den Ausflug gut gelungen, obwohl die Bedingungen in den engen Räumen nicht gerade optimal für uns AutistInnen waren. Manche sagten. dass sie doch froh waren, dass sie sich darauf eingelassen haben, denn es habe sich gelohnt. Vielleicht fallen solche Aktivitäten weniger schwer, wenn man sie unter „seinesgleichen“ erlebt, wer weiß?

 

Kennenlerntreffen - Abendessen am Grill

 

Am Samstag Abend gab es die Gelegenheit am Feuer bei Bratwurst und Kartoffelsalat miteinander ins Gespräch zu kommen. Zur Mitgliederversammlung kommen ja häufig auch Leute, die sich nicht kennen, weil sie z.B. aus verschiedenen Wohnorten im Bundesgebiet kommen.

 

 

Der Grillabend war ausgesprochen gut besucht.

 

Alles, was vorrätig war, wurde bis zum letzten Wurstzipfel aufgegessen. Also scheint es geschmeckt zu haben.

 

Das Wetter hat auch mitgespielt, keine Selbstverständlichkeit Anfang April. Um hier unsere Chance zu erhöhen, …

   … haben wir uns die Räume im KuBiZ schon jetzt gesichert.

 

Die kommende Mitgliederversammlung wird dann voraussichtlich am letzten Aprilwochenende, also vom 28.04. - 30.04.2017 stattfinden.

 

 


Autismustag am 11.06.2016 in Berlin



Auch in diesem Jahr wird Aspies e.V. wieder einen Autismustag in Berlin veranstalten.

Zeit: Samstag, 11.06.2016

Ort: JugendKulturZentrum PUMPE, Lützowstr. 42, 10785 Berlin, Nähe Lützowplatz.
http://www.pumpeberlin.de


Flyer zum download


Aspies e.V. auf der 9.Wissenschaftliche Tagung Autismus - Spektrum (WTAS) in Freiburg



Aspies e.V. auf der 9.Wissenschaftliche Tagung Autismus - Spektrum (WTAS) in Freiburg

 

Vom 10. bis 11. März 2016 fand die die WTAS (Wissenschaftliche Tagung Autismus Spektrum) statt, diesmal in den Räumen der Universität Freiburg.

Das übergreifende Thema der diesjährigen Fachtagung war:

 

Entwicklung, Erforschung und Anwendung von Therapieverfahren für autistische Menschen“.

 

Dieses Thema ist in diesem Jahr von besonderer Relevanz:

 

Zurzeit wird der 2. Teil der neuen interdisziplinären S3-Leitlinien „Autismus - Spektrum - Störungen im Kindes -, Jugend und Erwachsenenalter“ erarbeitet, der sich mit Thema „Therapie“ befasst. An der Diskussion beteiligt sich auch Aspies e.V. (siehe u.a.:  [http://aspies.de/selbsthilfeforum/

index.php?thread/3215-erarbeitung-neuer-s3-leitlininen-zur-diagnostik-therapie-umfrage-von-aspies-e-v]).

 

Aspies e.V. war auch bei der WTAS 2016 wieder mit Flyern und Info-Blättern dabei.

Es war erfreulich, wie viele angehende Fachkräfte in der Ausbildung das Gespräch mit uns suchten. Zukünftige Psychotherapeuten und Sozialpädagogen wollten wissen, was sich autistische Menschen selbst für Unterstützungsangebote wünschten oder worauf man achten müsse, wenn man autistische Erwachsene als Klientel in der Therapie habe.

 

Hier ein Überblick über die Themen der diesjährigen WTAS:

 

Die Workshops: Hier ging es hauptsächlich um die Vorstellung diverser Therapieverfahren

So befasste sich W1 mit 3 Konzepten von Gruppen- Sozialkompetenztrainings für Kinder und Jugendliche mit hochfunktionalem Autismus. Vorgestellt wurden die Programme, SOSTA-FRA (Frankfurt),  TOMTASS (Freiburg) und KOMPASS (Zürich).

In W 4 ging es um Möglichkeiten von Psychotherapie für autistische Erwachsene. Herr Prof. Dr. Dr. Vogeley stellte kurz das an seiner Universität entwickelte Gruppentherapieprogramm GATE vor. Danach wurden ganz allgemeine Problemstellungen besprochen. So würden beispielsweise Psychotherapien u.a. auch mittels der nonverbalen Ausstrahlung von Empathie und Wertschätzung des Therapeuten wirken, was bei autistischen PatientInnen schwierig sei. 

Bei der Sammlung der zu diskutierenden Themen  wurden von den Workshopteilnehmern besonders häufig „Kompensation“ und „Identität“ genannt. Bis zu welchem Umfang sei Kompensation möglich oder überhaupt sinnvoll? Wie könne man stattdessen das Umfeld anpassen?

In einem weiteren Workshop, W 6, wurde FETASS („Freiburger Elterntraining für Autismus - Spektrum - Störungen“) vorgestellt. Dieses Konzept finden wir sehr problematisch, da es viele Elemente von ABA enthält und auch mit negativen Verstärkern arbeitet.

 

Vorträge und Poster:  Auch hier ging es in erster Linie um Therapieverfahren

Für den Erwachsenenbereich gab Herr Prof. Dr. Tebartz van Elst einen Überblick über bestehende Therapieverfahren, insbesondere über in Freiburg entwickelte Gruppenkonzept FASTER. Frau Prof. Dr. Dziobek stellte computergestützte Verfahren vor.

Im Kinder- und Jugendbereich ging es hauptsächlich um Frühintervention bzw. -förderung.

 

Erfreulicherweise wurden hier neue Therapieansätze und  Evaluierung bereits vorhandener Konzepte vorgestellt (völlig abseits von ABA-basierten oder überhaupt abseits von verhaltenstherapeutischen Verfahren):

So gab es, z.B., einen Poster-Beitrag über Intervention mithilfe „Integrativer Theatergruppen für Kinder und Jugendliche mit ASS“. 

Ein anderes Poster informierte über die positiven Ergebnisse von TüTASS, ein körper- und gefühlsbasiertes Gruppentraining aus Tübingen für Kinder.

Ein weiteres beschrieb das Konzept einer Autismus-Kompetenzgruppe für Erwachsene mit ASS und leichter Intelligenzminderung (AutKom).

 

 

Podiumsdiskussion: „Autismusspezifische Frühförderung: Was ist wirksam?“

Die Podiumsdiskussion fanden wir sehr problematisch und kontraproduktiv, denn es gab kaum konträre Meinungen, die diskutiert werden konnten, da bis auf Anne Häußler (Dipl. Pädagogin, Dipl. Psychologin, TEACCH) mit Claus Lechmann (Dipl. Psychologe, ATZ Köln), Günther Stratmann (FA für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Pfalzinstitut Klingenmünster sowie Mitglied von ABA Deutschland e.V.) und Karoline Teufel (Dipl. Psychologin, Frühinterventionsprogramm A-FFIP) nur Personen auf dem Podium saßen, die ABA anwenden oder sehr viele Elemente davon in ihr Therapiekonzept eingegliedert haben. So erhielt das Publikum leider fast ausschließlich Informationen über ABA, nicht jedoch über die vielen vorhandenen Alternativen.

Herr Stratmann nannte als wesentlichen Bestandteil der ABA-Therapie „intensive trial teaching“ (ITT) und dass dieses Programm nicht der „Motivation des Kindes“ entspräche.

Das bewirkte entsprechende Irritationen bei den Zuhörern. Irritation entsand auch, weil kritische Fragen teilweise nicht oder nicht vollständig beantwortet wurden.

Einer unserer Vertreter fragte z.B. nach den Langzeitauswirkungen der Therapien und ob Autisten nach ihrer Meinung zu diesen Therapien gefragt wurden. Er erwähnte einen drastischen Fall, bei dem die Behandlung mit ABA langfristig erfolglos bzw. kontraproduktiv war. Ein anderer Teilnehmer im Publikum fragte, ob ABA nicht auch dazu missbraucht werden würde, dass Eltern das Kind entgegen seiner Wünsche und Bedürfnisse dazu bewegen, Körperkontakt aufzunehmen oder zu dulden.

Die Antworten auf diese Fragen fielen unbefriedigend aus. Herr Lechmann erwähnte in seinen Ausführungen sogar explizit, dass die Eltern die Hauptauftraggeber der Therapien sind.

 

Interessanterweise hatte zwei Stunden zuvor Prof. Christine M. Freitag in ihrem Überblicksvortrag „Therapieansätze in der Frühintervention“ deutliche Zweifel an diesen sogenannten „diskreten Lernformaten“ erkennen lassen, bei denen im 1:1 Format 40 Stunden die Woche in kleinen Schritten vorgegebene Programme streng abgearbeitet werden und die auf Lovaas zurückgehen.   Diese Therapieansätze hätten nicht zu einer Verbesserung der autismusspezifischen Symptomatik geführt.

 

Wir von Aspies e.V. haben uns über diese „ABA-Lastigkeit“ der Podiumsdiskussion sehr  geärgert. Denn auch wenn in der Podiumsdiskussion Frau Häußler und Frau Teufel anwesend waren, die auch andere Therapie- und Förderungsansätze verwenden, gab es vom Grundsatz her keine Gegenmeinung zu den vorgestellten und propagierten Methoden und Techniken auf der Basis von ABA. Die Kritik haben wir an die OrganisatorInnen der WTAS weitergegeben.

 

___________________________________________________________________________

*Kleine Anekdote am Rande: Einer der ABA-Vertreter selbst fiel bei Aspies e.V. durch „Herausforderndes“ Verhalten“ auf, als er in der Pause erst sein Wasserglas neben einen Stapel unserer Flyer platzierte (und dabei die oberen Blätter nässte) und später auch noch seinen leeren, dreckigen Pappteller direkt auf unseren Info-Flyern abstellte. Einer von uns reagierte ihm gegenüber „prompt“: “Da werden wir wohl  Aversiva einsetzen müssen …”

 

 

 


ASAN und Aspies e.V.: Gemeinsames Arbeitstreffen von Ari Ne'eman, Vorstandsmitglied von ASAN, und dem Vorstand von Aspies e.V.



Am 20.11.2015 fand im Berliner Johannisstift ein gemeinsames Treffen zwischen Ari Ne’eman und dem Vorstand von Aspies e.V. statt. Ari Ne’eman ist Gründungspräsident und einer der Vorstandsmitglieder des Autistic Self Advocacy Network (ASAN), der wichtigsten Autismus-Selbsthilfeorganisation der USA.

Ari Ne’eman war in diesem Jahr einer der Referenten auf der Fachtagung „Autismus im Dialog“.

Dort sprach er, gemeinsam mit Hajo Seng, einem der Gründer von Aspies e.V. und Vorstandsmitglied, über die Selbstvertretung autistischer Menschen.

Während Hajo S. Formen der Autismus-Selbsthilfe und Selbstvertretung in Deutschland schilderte, stellte Ari N. die Arbeit seiner eigenen Organisation in den USA vor.

Im Anschluss an die Tagung trafen sich Ari N. und die 4 Vorstandsmitglieder von Aspies e.V. zu einem persönlichen Gespräch, das von beiden Seiten als sehr konstruktiv bewertet wurde.

Ari Ne'eman regte an, die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Vertretungen autistischer Menschen zu intensivieren. Aspies e.V. hatte zuvor schon begonnen, innereuropäische Kontakte zu knüpfen und greift jetzt gern auch den Vorschlag aus den USA zu einer verstärkten Kooperation auf internationaler Ebene auf. Gedacht ist daran, zunächst einige besonders engagierte Landesverbände aus Europa und den USA zusammenzuführen und über einen entsprechenden Mailaustausch Erfahrungen aus der jeweiligen Arbeit vor Ort auszutauschen.

Sobald man sich besser kennengelernt hat und die Kontakte intensiver geworden sind, haben wir vor, gemeinsame internationale Treffen zu organisieren. Als Arbeitssprache wird englisch vorgeschlagen.

Für den Kontakt zwischen Deutschland und den USA könnten etwa auch Organisationen mit einbezogen werden, die sich der deutsch-amerikanischen Freundschaft verschrieben haben.

Bei unserem Arbeitstreffen im Johannisstift haben wir uns auch über die konkrete Organisation unserer verschiedenen Selbstvertretungsorganisationen ausgetauscht. Ari Ne'eman konnte uns einen sehr interessanten Einblick in die Arbeitsweise von ASAN geben. Wir stellten fest, dass wir viel gemeinsam haben, es aber auch einige Unterschiede gibt, bedingt durch die jeweils anderen nationalen und gesellschaftlichen Voraussetzungen der Länder.

So werden bei ASAN beispielsweise die Vorstandsmitglieder nicht frei gewählt wie der Vorstand von Aspies e.V. Um dennoch jeweils die Interessen der Mitglieder wahrnehmen und vertreten zu können, stimmt man sich in den USA über die sozialen Netzwerke mit den Vertretern der Untergruppen in den einzelnen Bundesstaten ab. Bei ASAN gibt es dafür mehrere festangestellte Mitarbeiter, was so in Deutschland in einem gemeinnützigen Verein wie Aspies e.V. nicht möglich wäre.

Hingegen können wir hier in Europa manches von der Organisation der erfolgreichen Kampagnen des ASAN lernen. Allerdings hat man in den USA vielseitigere Möglichkeiten, was die Art der Finanzierung solcher Kampagnen angeht.

Am Ende ist uns allen noch einmal deutlich geworden, dass uns das gemeinsame Engagement für autistische Menschen und das Anliegen, die Stärken und Talente dieser Menschen aufzuzeigen und zu fördern, verbindet und dass wir Möglichkeiten finden und nutzen können, um in Fragen der Selbstvertretung autistischer Menschen auch auf internationaler Ebene zusammenzuarbeiten.

Zwei Vorstandsmitglieder haben dann noch am Wochenende die Gelegenheit genutzt, Ari Ne'eman bei einem Stadtspaziergang Berlin näher zu bringen.

Rainer Döhle (Aspies e.V.), Ari Ne'eman (ASAN), Hajo Seng (Aspies e.V.
Rainer Döhle (Aspies e.V.), Ari Ne'eman (ASAN), Hajo Seng (Aspies e.V.

„Autismus im Dialog - Von der Außensicht zur Innensicht. Internationale Perspektiven, Lebensbereiche, Arbeitsfelder.“ – Fachtagung 19./20.11. 2015 in Berlin



„Autismus im Dialog“: Vom 19.11. – 20.11. 2015 war das übergreifende Thema der Fachtagung des Institut für Fortbildung, Beratung und Forschung in der Behindertenhilfe (ifbfb):

„Von der Außensicht zur Innensicht. Internationale Perspektiven, Lebensbereiche, Arbeitsfelder.“

Aspies e.V. war dabei und berichtet:

Das Institut für Forschung, Beratung und Fortbildung in der Behindertenhilfe (ifbfb) organisierte am 19./20.11. im Berliner Johannesstift eine Fachtagung zum Thema „Autismus im Dialog“. Ziel der gut besuchten Veranstaltung, bei der u.a. auch der Vorstand von Aspies e.V. zu den Gästen gehörte, sowohl die Innensicht als auch die Außensicht auf Autismus gleichberechtigt zu Wort kommen zu lassen.

„Autismus im Dialog“ - Das war nicht nur inhaltlich Thema der Tagung, sondern allgemeiner Grundsatz: Dass hier großer Wert auf Anerkennung der Gleichberechtigung beider Perspektiven gelegt wurde, erkannte man nicht nur auf den ersten Blick, z.B. an der strikt paritätischen Zusammensetzung der ReferentInnengruppe, sondern zeigt sich auch in solchen Details wie dem Programm-Flyer. Hier wurden lediglich Namen der Vortragenden genannt. Kein akademischer Titel oder sonstige Hinweise darauf, ob es sich um eine autistische Person handelt oder eine nichtautistische. Alle waren gleichermaßen als ExpertInnen ausgewiesen.

Paritätisch wurde auch die Veranstaltung eröffnet: In den Einleitungsvorträgen gaben Herr Theunissen und Frau Vero dem Publikum zunächst einen Gesamtüberblick über das Thema „Autismus“, jeweils aus ihrer Außen- bzw. Innenperspektive entsprechend verschieden.

Herr Theunissen betrachtete das Thema „von außen“, eher theoretisch. Er sprach über Diagnosekriterien, informierte über die verschiedenen aktuell existierenden Auffassungen und Theorien bzgl. des Phänomens „Autismus“ und darüber, wie unterschiedlich in anderen Ländern und Kulturen damit umgegangen wird.

Frau Veros Ansatz aus der Innenperspektive basierte auf dem eigenen Autismus und dem ihres Sohnes, um Autismus zu beschreiben und zu erklären.

Ihre Informationen und Erläuterungen ergänzten Herr Theunissens Ausführungen, sodass beide Vorträge gemeinsam ein Gesamtbild ergaben von dem, was „Autismus“ sein kann.

Die Themen der der Tagung „Autismus im Dialog“

Es folgten dann insgesamt 14 Einzelvorträge (Foren), die teilweise parallel abgehalten wurden. Leider konnten wir nicht bei allen Vorträgen dabei sein, also konzentrierten wir uns auf die Themen, die uns besonders für unsere Mitglieder, autistische Erwachsene, relevant schienen.

Eines davon war der Umgang mit Krisensituationen: Frau Schramm sprach darüber wie sie als „Peer Counseling“- Beraterin ihren ebenfalls autistischen KlientInnen in Krisen oftmals besser helfen kann als andere Fachkräfte. Denn sie könne aufgrund ihrer eigenen autistischen Besonderheiten und durch die Betrachtung aus der Innenperspektive die Ursachen der Probleme besser beurteilen.

Aus der Außenperspektive sprach Herr Wüllenweber zum Thema. Durch die Analyse eines Ausschnitts aus dem Dokumentarfilm „Ihr Name war Sabine“ bekamen die Zuhörer einen guten Eindruck davon, wie sich „autistische Krisen“ entwickeln können, wenn kommunikative Signale autistischer Menschen von der Umwelt übersehen oder missdeutet werden. Den TeilnehmerInnen wurden dadurch bessere Strategien vermittelt, Krisensituationen autistischer Menschen besser zu verstehen, sie zu verhindern oder adäquater darauf zu reagieren.

Aus Innenperspektive referierte Frau Vero über die Themen Wahrnehmung sowie Kunst und Kreativität. In einem Workshop hatten die TeilnehmerInnen sogar Gelegenheit, selbst kreativ zu sein … und nun hat Frau Vero auch die „Werke“ von 2 Aspies e.V. - Vorstandsmitgliedern in ihrer Sammlung für „Art of Inklusion“.

Ein Höhepunkt der Tagung war der gemeinsame Workshop von Hajo Seng, Vorstandsmitglied von Aspies e.V. und Ari Ne‘eman, autistischer Aktivist und Vorstandsmitglied von Autistic Self Advocacy Network (ASAN), der wichtigsten us-amerikanischen Selbstvertretungsorganisation USA zum Thema „Selbstvertretungsgruppen“. Die Übersetzung ins Deutsche wurde von einer Dolmetscherin, die ebenfalls Mitglied bei Aspies e.V. ist, übernommen. ASAN leistet in den USA erfolgreiche Lobby- und Selbsthilfearbeit für Autisten und hat durch eine Reihe öffentlichkeitswirksamer Aktionen auf die Bedürfnisse autistischer Menschen aufmerksam gemacht hat.

Beim Abendessen nach dem ersten Tagungstag konnten wir neue Kontakte knüpfen sowie bereits bestehende intensivieren, z.B. zu Herrn Theunissen, Gee Vero und Ari Ne’eman von ASAN.

Gegen Ende der Tagung kam der Vorstand von Aspies e.V. mit Ari Ne'eman noch einmal persönlich zusammen, um sich mit ihm im direkten Gespräch näher auszutauschen, wobei beide Seiten Anregungen durch die Erfahrungen im jeweils anderen Land erhielten und mögliche gemeinsame Perspektiven für die Zukunft angedacht wurden.

Aspies e.V. beim DGPPN 2015 in Berlin



Auch beim DGPPN-Kongress 2015 war Aspies e.V. wieder mit einem Info-Stand dabei.

DGPPN_Kongess_2015_Bild1 Unser Stand beim DGPPN – Kongress 2015

Die meisten Fachkräfte, die uns am Stand besuchten, hatten Fragen, weil sie autistische PatientInnen haben und wissen wollten, worauf man da achten müsse …

Das zeigt, dass auf Therapeutenseite noch viel Unsicherheit bzgl. des Themas „Autismus“ herrscht, aber auch Wille zum Engagement. Mit entsprechend großem Interesse wurde daher auch der neue Info-Flyer der AFK „Psychotherapie bei Autismus und Asperger-Syndrom“ vom Aspies e.V. - Stand mitgenommen.

Die AFK, in der auch mehrere Mitglieder von Aspies e.V. mitarbeiten, war beim diesjährigen DGPPN sogar mit einem eigenen Beitrag vertreten. Silke L. (Mitglied bei Aspies e.V.) hielt den Vortrag: „Selbstvertretung und Forschung: Die Berliner AFK stellt sich vor“. Danach waren einige der wissenschaftlichen Fachkräfte erstaunt, wie es in der AFK gelingt, dass AutistInnen gemeinsam mit neurotypischen WissenschaftlerInnen professionelle Forschungsarbeit „in eigener Sache“ leisten und dabei sowohl die Themen selbst bestimmen als auch, gemeinsam mit den neurotypischen Fachkräften, sich maßgeblich an der wissenschaftlichen Arbeit beteiligen.

Aber Silke L. war nicht das einzige autistische Mitglied von Aspies e.V. mit einem aktiven Beitrag auf dem Kongress. Auch im 2-Tage Workshop von Prof. Dr. Tebartz van Elst vermittelte eines unserer Vereinsmitglieder den Fachkräften Wissen über Autismus aus der Innenperspektive.

Zum Thema „Autismus“ gab es wieder mehrere weitere Veranstaltungen:

Inhaltlich eine der wichtigsten war wohl das Symposium „S3-Leitlinien für Autismus-Spektrum-Störungen über die Lebensspanne“. Hier ging es um den in nächster Zeit fertiggestellten 1. Teil der geplanten neuen DGPPN - Leitlinien zur „Diagnose von Autismus“, bei dem auch Aspies e.V. mitgewirkt hat. D.h., Aspies e.V. durfte „mitreden“ und versuchte diese Chance auf ein minimales Mitspracherecht im Interesse der autistischen Menschen auch zu nutzen. Soviel wie möglich, denn Aspies e.V. hat ja nur eine einzige „Stimmberechtigung“ innerhalb der vielen Beteiligten … Dieser 1. Teil der S3 - Leitlinien wird u.a. Empfehlungen und Hilfen für Fachkräfte enthalten, wie Autismus diagnostiziert werden kann. Denn aktuell gibt es viel zu wenige Diagnosemöglichkeiten, insbesondere für Erwachsene. In den Leitlinien wird festgestellt, dass in ganz Deutschland ein dringender Verbesserungsbedarf bestehe bzgl. der Versorgungslage im Bereich Autismus-Diagnostik. Desweiteren empfehlen die Leitlinien auch eine wesentliche Verbesserung des Angebots von professioneller Beratung für autistische Menschen und ihre Familien, z.B. in den Bereichen Schule, Beruf oder sozialen Fragen.

Andere Veranstaltungen zum Thema Autismus hatten forschungsspezifischere Inhalte, z.B. Untersuchungen zu Besonderheiten nonverbaler Kommunikation bei Autismus oder Vorstellung neuer Gruppentherapien für Kinder.

Aber nicht nur in den speziell als autismusbezogen ausgewiesenen Vorträgen gab es Informationen, die die für autistische Menschen relevant sind:

So ging es in einem Symposium über Schwerbehindertenrecht beispielsweise um die geplante Reform der „Versorgungsmedizinischen Richtlinien“, nach denen u.a. der GdB oder die Höhe der Erwerbsminderungsrente bestimmt werden. Zukünftig werden diese Richtlinien mehr nach dem ICF („ Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“) der WHO ausgerichtet, was Deutschland bisher eher abgelehnt hatte. Ob diese Neuerungen für autistische Menschen zukünftig positive Auswirkungen haben werden, bleibt abzuwarten. Aktuell zumindest kann bzgl. Schwerbehinderung bei Autismus leider ziemlich willkürlich entschieden werden, meistens zum Nachteil der AntragstellerInnen von Schwerbehindertenausweisen.

Für Aspies e.V. war der DGPPN jedoch nicht nur bzgl. inhaltlicher Informationen, wegen der Beratung von Informationen für Fachkräfte oder der Verteilung unserer Vereins - Flyer interessant. Denn außerdem ergab sich ein guter Kontakt auch auf „Selbsthilfe - Ebene mit ADHS Deutschland e.V., einer anderen Selbsthilfeorganisation mit ähnlichen Zielen, der weiter ausgebaut werden soll: Unsere beiden Stände lagen nebeneinander und so kamen wir miteinander ins Gespräch. Dabei stellten wir fest, dass wir fast mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben. Viele Mitglieder unserer beiden Vereine dürften sogar dieselben neurologischen Besonderheiten teilen. Rund 20% der AutistInnen haben laut Studien auch ein ADHS. Während des DGPPN - Kongresses hatten wir miteinander sehr konstruktive Gespräche und wir wollen auch weiterhin in Kontakt bleiben.

Aspies e.V. und ADHS Deutschland e.V. haben eine „gegenseitige Mitgliedschaft“ geplant und wollen in Zukunft zum gegenseitigen Vorteil zusammenarbeiten und uns unterstützen.

DGPPN_Kongess_2015_Bild2
Aspies e.V. und ADHS Deutschland e.V.
Nachbarn beim DGPPN 2015

Gemeinsam haben wir allerdings auch festgestellt, dass unsere Selbsthilfe - Stände in diesem Jahr beim DGPPN – Kongress räumlich zu sehr an den Rand platziert wurden und daher die Menge an Besuchern, die sich zu unseren Ständen „verirrten“, nicht ganz so groß war, wie erhofft. Wir werden die Organisatoren der Tagung auf dieses Problem ansprechen, damit die Selbsthilfe bei künftigen DGPPN-Kongressen besser wahrgenommen werden kann.


Nachbetrachtungen zum Autismustag



Der diesjährige von Aspies e.V. am 17.10. organisierte Autismustag hat wieder zahlreiche Besucher angezogen.

Diesmal fand er nicht, wie gewohnt, im Haus der Demokratie und Menschenrechte statt, sondern an einem neuen Ort.

Aufgrund der steigenden Teilnehmerzahlen war es dort einfach zu eng geworden, so dass wir uns nach einer geräumigeren Örtlichkeit umsehen mussten.

Das war schwieriger als gedacht, weswegen unser Autismustag diesmal nicht traditionell in zeitlicher Nähe zum Autistic Pride Day (18.6.) organisiert werden konnte.

Aber das Warten hat hat gelohnt. In den großzügigeren Räumlichkeiten des Jugendkulturzentrums „Die Pumpe“ in Berlin-Tiergarten fühlten sich unsere überwiegend autistischen Gäste wohl und die Stimmung an unserem Autismustag war gut.

Das Programm war interessant und vielfältig. An verschiedenen Ständen und in einer Reihe von Vorträgen konnte man sich über die unterschiedlichsten autismusbezogenen Themen informieren.

Im ersten Vortrag beschrieb Aleksander Knauerhase seinen Weg von der Diagnose zum Inklusionsbotschafter und ging dabei insbesondere auf die unterschiedlichen Wahrnehmungsbesonderheiten autistischer Menschen ein, die für ein „inklusives Lebensumfeld“ von Bedeutung sind.

Außerdem informierte er auf Nachfrage über den von ihm initiierten Offenen Brief an EU-Parlamentarier, in welchem die ABA-Therapie sowie die Genforschung bei Autismus kritisch hinterfragt werden; im Anschluss an den Vortrag nahm das Publikum die Gelegenheit wahr, sich an einer konstruktiven Diskussion zu beteiligen.

Danach wurde der erste Berliner „Toastmasters“-Club mit autistischen Teilnehmer/innen vorgestellt, der von Sacha G. ins Leben gerufen worden war. In den „Toastmaster“-Gruppen treffen sich Menschen, um ihre rhetorischen Fähigkeiten zu trainieren.

Nach der Mittagspause sprach Henrike Zimmermann über persönliche positive Erfahrungen,

nach dem „Befreiungsprinzip“ mit den eigenen autismusbedingten Schwierigkeiten umzugehen und sich weiterzuentwickeln: Manchmal könne das gelingen, wenn man von persönlichen Spezialinteressen ausgehe. Die Motivation, sich damit zusammenhängende Wünsche zu erfüllen, könne, mit ein wenig Glück und Unterstützung von außen, so stark werden, dass man dafür eigene Grenzen überwinde, dadurch selbstbewusster werde und mehr Lebenszufriedenheit finde.

Danach folgte Robin Schichas „Lesung mit Bildern“ aus seinem Buch „Außerirdische Reportagen vom Schulalltag“. Das war sehr unterhaltsam und damit auch andere Spaß daran haben können, wurde Robins neues Buch sofort in die umfangreiche Bibliothek von Aspies e.V. aufgenommen.

Den letzten, sehr interessanten, Vortrag über „Autistische Intelligenz“ hielt Hajo Seng: Die Besonderheiten in der Art der Wahrnehmung bewirke, dass autistische Menschen andere Denkstrukturen und Problemlösestrategien entwickelten als Nichtautisten. Hajo greift zur Unterstützung dieser These u.a. auch auf seine langjährigen Beobachtungen in den Fähigkeitenworkshops von Autworker zurück.

Außerhalb des Vortragsprogramms gab es in einem separaten Raum die Gelegenheit, Informationsstände zu besuchen, u.a. der Enthinderungsselbsthilfe.

Dort konnten sich die Gäste auch am Buffet verpflegen oder die Gelegenheit nutzen, sich mit einem Kaffee z.B. zu einem Gespräch zurückzuziehen.

Nach der Veranstaltung teilten viele Gäste mit, dass es ihnen auch in diesem Jahr, am neuen Ort, sehr gut gefallen habe.

Wir freuen uns natürlich über das Lob und geben es gleichzeitig an alle weiter, die so engagiert zur zur Organisation dieser Ganztagsveranstaltung beigetragen haben.

Ohne die zahlreichen helfenden Hände der Autismustag nicht stattfinden können, daher bedanken wir uns ganz herzlich bei allen Mithelfenden.


Autismustag am 17.10. in Berlin



Auch in diesem Jahr wird Aspies e.V. wieder einen Autismustag in Berlin veranstalten. Zwar hat es dieses Mal aus zeitlichen Gründen nicht geklappt, die Veranstaltung wieder in zeitlicher Nähe zum Autistic Pride Day anzubieten, aber wir konnten wieder einige interessante autistische Personen und Gruppen gewinnen, die sich in Vorträgen und auf Ständen präsentieren werden. Da die Zahl der Besucher in den letzten Jahren so stark angestiegen war, dass der Saal im Haus der Demokratie nicht mehr ausreicht, werden wir in diesem Jahr den Autismustag in einem größeren Saal anbieten:

Zeit: Samstag, 17.10.2015

Ort: JugendKulturZentrum PUMPE, Lützowstr. 42, 10785 Berlin, Nähe Lützowplatz.
http://www.pumpeberlin.de


Flyer zum download


Beteiligung von Aspies e.V. an der BRK-Allianz – Das Abschlussplenum am 09.06.2015



Am 09.06. 2015 fand in Berlin das Abschlussplenum der „Allianz zur UN-Behindertenrechtskonvention“ (BRK-Allianz) statt, bei der sich Aspies e.V. als eine von 78 beteiligten Organisationen und Verbänden engagierte.

Der Hintergrund

Ziel der BRK Allianz war es, auf bestehende Menschenrechtsverletzungen an Personen mit Behinderungen in Deutschland hinzuweisen sowie „den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern“ (Statut der BRK-Allianz: http://www.brk-allianz.de ).

Zu diesem Zweck sollte zum 1. Staatenbericht Deutschlands zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK), beschlossen am 03.08.2011 durch das Bundeskabinett, ein „Koordinierter Parallelbericht“ an den UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (CRPD) erstellt werden. Dieser 80-seitige 1. Parallel-Bericht der BRK-Allianz wurde im Januar 2013 Bundestag und Bundesregierung sowie dem UN-Fachausschuss in Genf übergeben.

Dann wurde im April 2014 vom CRPD-Ausschuss eine "Frageliste" ("List of Issues") bzgl. der Umsetzung der UN-Konvention für Deutschland verabschiedet. Diese Fragen musste die deutsche Regierung bis Ende August 2014 beantworten, was sie jedoch nicht zufriedenstellend getan hatte.

Daraufhin verfasste die BRK Allianz eine Antwort auf diese Positionierung der Bundesregierung und sandte sie nach Genf.

Vom 13.04 -02.05.15 fand die letzte Sitzung des CRPD -Ausschusses statt ( u.a. mit Staatenprüfung Deutschlands), an der auch eine Delegation der BRK-Allianz teilnahm und dort über die, aus ihrer Sicht, sehr unzureichende Umsetzung der UN-Konvention in Deutschland berichtete.

Das Abschlussplenum

Als erster Tagesordnungspunkt wurde allen von dieser Sitzung berichtet. U.a. auch, dass die Antworten der deutschen Regierungsvertreter auf die Fragen der BRK-Allianz bzgl. der Pläne zur Beseitigung der Missstände, sehr unbefriedigend ausgefallen waren.

Der zweite Tagesordnungspunkt war die Begutachtung der deutschen Übersetzungen der „1. Concluding Observations“ („Abschließende Bemerkungen“) des UN-Ausschusses zum Staatenbericht durch das DIMR (Deutsches Institut für Menschenrechte) und das BMAS (Bundesministerium für Arbeit und Soziales). Das englischsprachige Dokument enthält Empfehlungen und Verpflichtungen, die Deutschland bei der Umsetzung der UN-Konvention zukünftig erfüllen soll.

Beide Übersetzungen weichen voneinander ab, wobei besonders die Fassung des BMAS eine ganze Reihe leicht fehlerhafter Formulierungen enthält, die aber wahrscheinlich bewusst so gewählt wurden, um die Forderungen des Originals abzuschwächen. Die BRK-Allianz hat diese Stellen benannt sowie eine geeignetere Übersetzung vorgeschlagen, die dem Ministerium als Beschwerde zugeschickt wurde. Das BMAS hatte dafür leider nur eine sehr kurze Frist vorgesehen (bis zum Folgetag, was die BRK-Allianz als „nicht barrierefrei“ verurteilte), sodass kleinere Organisationen keine eigenen Einwände mehr formulieren konnten. Aspies e.V. hatte sich jedoch in einer Arbeitsgruppe an der Übersetzung der Paragrafen zum Thema „Bildung und Arbeit“ beteiligt und in diesem Rahmen das Mitspracherecht genutzt.


„Aspies unterwegs - Reisen für Menschen im Autismus-Spektrum Reisen“ - Eine großartige Intitiative eines Mitglieds von Aspies e.V.



Es wird langsam Sommer und damit rückt auch die Urlaubszeit wieder heran. Da verlockt es auch AutistInnen immer wieder, mal raus aus der gewohnten Alltagsumgebung zu kommen, zu verreisen oder Ausflüge zu unternehmen .

Aber sehr viele haben sich solche Wünsche schon lange nicht mehr erfüllen können. Denn autistische Menschen sehen sich mitunter mit besonderen Schwierigkeiten konfrontiert, wenn es um die eigene Urlaubsgestaltung geht. Reguläre Reiseveranstalter oder auch die eigenen persönlichen Verhältnisse bieten oft eben nicht die besonderen Bedingungen, die viele AutistInnen brauchen, um Urlaubsreisen oder Ausflüge wirklich genießen zu können. Daher verzichten manche dann lieber ganz darauf, obwohl auch sie eigentlich ganz gern mal „was von der Welt sehen“ würden.

Dieser Wunsch war vor kurzem auch mal wieder, wie in jedem Sommer, Thema in der berliner SHG. Da hat Claus, ein Mitglied von Aspies e.V., einfach kurzerhand beschlossen, aktiv zu werden und den Versuch zu starten, autistengerechte Ausflüge und Reisen zu organisieren.


Tagung zum Thema Inklusion in Wittenberg April 2015



Vom 17. bis 19. April 2015 fand in Wittenberg die Tagung " (Neuro-) Diversität und Normalität? Konzepte zur Beschreibung menschlichen Erlebens und Verhaltens. Eine kritische Analyse neurologisch-psychiatrischer Diagnostik und Rehabilitation " statt. Leider fand am selben Wochenende auch unsere Mitgliederversammlung statt, dennoch konnten einige Mitglieder von Aspies e.V. aktiv an der Veranstaltung mitwirken.

Die Tagung wurde von Anne Richter und Susanne Faby zusammen mit Georg Theunissen ausgerichtet. Es ging nicht nur um Autismus, jedoch waren, sowohl bei den Referenten als auch im Publikum, Leute mit Berührungspunkten zu diesem Thema in der Mehrzahl. Insgesamt gab die Tagung eine andere als die übliche Sicht auf den Themenbereich "Diagnose“ und damit auch auf die Themen „Erkrankung“ und „Behinderung“ frei.

Georg Theunissen eröffnete die Veranstaltung mit dem Vortrag "Empowerment durch Selbstvertretungsgruppen unter besonderer Berücksichtigung des Konzepts der Neurodiversität". Er erzählte über Self-Advocacy Netzwerke in den USA und in Deutschland und wie sie sich zum Neurodiversitätsansatz verhalten. Dieser kam ursprünglich aus der Autismus-Selfadvocacy-Bewegung in den USA, wo er bis heute recht populär sei. In Deutschland dagegen werde er nicht so prominent vertreten. Insgesamt sei die autistische Community in Deutschland nicht so politisch wie in den USA oder in Kanada.

Als ergänzendes Statement gab es den Trailer und eine Beschreibung des Films „Kleine graue Wolke“. Der Film schildert das Leben der Filmemacherin, nachdem sie eine Multiple Sklerose Diagnose erhalten hatte. In dem Text, der verlesen wurde, erläuterte die Filmemacherin, dass sie sich nicht auf die Diagnose reduzieren lassen möchte, ihre Umwelt aber genau dies permanent tue.
Das zweite Statement war von einem Bibliotheksmitarbeiter, Dirk Matthes, mit dem Titel " Sprache, Bilder und das (Un-)Vollkommene. Kommentar zur eigenen Wahrnehmungsveränderung". Herr Matthes hatte mit Anfang 20 durch einen Unfall weitgehend die Fähigkeit verloren, seine Gedanken sprachlich auszudrücken, und konnte sie durch langjähriges Training, zumindest teilweise, wieder erlangen.

Abends fand die Eröffnung der Ausstellung "Bareface: Die Kunst der Inklusion" von Gee Vero statt. Das Projekt, bei dem Gee Vero eine Hälfte eines Gesichts zeichnet und an Leute verschickt, die es dann vervollständigen sollen, läuft schon seit mehr als 5 Jahren. Über 100 Bilder hat sie bereits zurück erhalten, oftmals von ziemlich prominenten Leuten. Den Katalog zu einer dieser Ausstellungen, 2014 in Berlin, kann aus unserem Bibliotheksbestand ausgeliehen werden.

Der zweite Tag eröffnete mit dem Vortrag "Die Neurodiversitätsdebatte und der dekoloniale Kampf gegen Exklusion" von Wolfgang Jantzen aus Bremen. Er zeigte auf, dass die Exklusion von Menschengruppen ihren Ursprung in der Neuzeit vor dem Hintergrund der Kolonisierung gehabt habe. Von dort habe sie Eingang in die wissenschaftliche Medizin, vor allem auch in die später entstehende Psychologie, gefunden. Inklusion bedeute daher nicht nur, bestimmte Menschen zu inkludieren, sondern die Exklusion als Merkmal moderner Gesellschaften insgesamt zu überwinden. Das Ergebnis von Inklusion könne nicht sein, dass bestimmte Menschen, z.B. sog. "schwer betroffene" Autisten, exkludiert blieben. Zu diesem Vortrag trug Andreas Hieronymus ein Statement vor, in dem er die ökonomischen Hintergründe exkludierender Gesellschaften erläuterte.

Anschließend hielt Ludger Tebartz van Elst einen Vortrag über "Diagnostik und Person: Normvarianten, Persönlichkeitsstörungen oder neuropsychiatrische Krankheiten. Herausforderungen an Forschung und (Re-) Habilitation". Er erläuterte, dass Diagnosekriterien nicht objektiv seien, weil sie immer auch die jeweils geltenden Normen widerspiegeln würden. Insbesondere gebe es das Problem, dass sie nicht ursachen- sondern verhaltensbezogen seien. Dadurch verhinderten sie die Entwicklung von Wissen über die Ursachen und geeignete Therapien für psychische Erkrankungen. Sie berücksichtigten auch nicht, dass bestimmte psychische Strukturen erst in bestimmten (auch sozialen) Kontexten einen "Krankheitswert" erhielten. Vor diesem Hintergrund plädiere er für den Bereich psychische oder neurologische Erkrankungen insgesamt für einen Spektrumsansatz. Für den Bereich Autismus verweise er auf aktuelle Forschungen zum Thema Konnektivität. Hier sei ein Gehirn mit eher autonomen Zentren die Grundlage für eine autistische Struktur, die gegenüber einem eher verbundenen Gehirn Stärken und Schwächen habe. Ob sich daraus etwas mit Krankheitswert ergebe oder aber spezielle Begabungen, würde dann von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängen.

Im Anschluss an den Vortrag stellte Silke, Mitglied von Aspies e.V., die Arbeit der Autismus Forschungs Kooperation vor. Sie erläuterte, dass die Forschungsansätze der AFK einen inklusiven Charakter hätten, weil die Forschung, anders als die „normale“, aus einem autistischen Blickwinkel heraus erfolge. Silke schilderte auch, wie in der AFK die Zusammenarbeit der einzelnen Teilnehmenden funktioniere, die nämlich ihre eigenen Wege fänden, allen Beteiligten gerecht zu werden.

Anschließend gab es noch verschiedene Workshops. Einen davon leitete Hajo, Mitglied von Aspies e.V. Er berichtete darüber, wie die Fähigkeitenworkshops bei autWorker eine Forschungsumgebung zum Thema „Autistische Fähigkeiten“ bildeten, in dem ganz andere Aspekte des Autismus zum Vorschein kämen als in der "klassischen" Autismusforschung. Er erklärte dabei auch, dass die Kommunikation autistischer Menschen in einer geeigneten Umgebung sehr produktiv sein könne.


WTAS 2015: Aspies e.V. war in Augsburg aktiv dabei



Auf der diesjährigen 8. WTAS (Wissenschaftliche Tagung Autismus-Spektrum), 26. - 27.03.2015 in Augsburg war Aspies e.V. wieder mit einem Infostand vertreten und Vereinsaktive waren am wissenschaftlichen Geschehen der Tagung beteiligt.

Unser Infostand war gut besucht und wir kamen mit sehr vielen verschiedenen Menschen in Kontakt, die sich für die Interessen von AutistInnen einsetzen:

So durften wir z.B. den autistischen Lyriker Sebastian Heiser („Gedanken haben große Schwingen“) und seine Mutter Dorothea („Das besondere Schottland-Tagebuch einer MAS-Selbsthilfegruppe") kennenlernen. Über Frau Heiser könnte sich möglicherweise ein neuer Kontakt zu Autism Europe ergeben und damit für Aspies e.V. eine Möglichkeit, sich auch mehr auf europäischer Ebene engagieren.

Informativ war ein Gespräch mit einer Schweizer Ausbildungs-Coach für autistische Jugendliche: In der Schweiz habe jede/r autistische Schulabgänger/in ganz selbstverständlich Anspruch auf unentgeltliches „Ausbildungs-Coaching“. Und zwar für eine reguläre Ausbildung, auf dem 1. Arbeitsmarkt. In Deutschland würde man sich Vergleichbares wünschen.

Aber Aspies e.V. war auch mit „eigenen Fachkräften“ am wissenschaftlichen Geschehen beteiligt:

In der Podiumsdiskussion Meilensteine, Herausforderungen und Chancen der verschiedenen Lebensphasen“ berichtete Hajo Seng, Mitglied von Aspies e.V., über seine persönlichen Lebenserfahrungen als Autist. Sein Vortrag wurde vom Publikum mit großem Interesse aufgenommen.

Der Workshop „Autismus bei Mädchen und Frauen“, geleitet von Ulrike, Mitglied von Aspies e.V., und Christine Preißmann, wurde aufgrund der großen Nachfrage bei den Fachkräften auch in diesem Jahr wieder angeboten und war wieder sehr schnell ausgebucht.

Die AFK, in der viele Mitglieder von Aspies e.V. aktiv mitarbeiten, war diesmal sogar mit einem eigenen Vortrag dabei. Silke, selbst Autistin und Vereinsmitglied, trug die Ergebnisse der letzten Studie zum Thema „Ambulante Psychotherapie bei Personen im Autismus-Spektrum: Zugang und Zufriedenheit“ vor. Die Fragebogen-Studie, an der sich mehr als 1000 Personen beteiligt hatten, zeigte sehr deutlich, dass Verbesserungsbedarf beim Angebot ambulanter Psychotherapie besteht und dass autistische Personen z.T. andere Bedürfnisse haben als die Vergleichsgruppen (BPS, ADHS, Depression). Z.B. wird als Möglichkeit des Erstkontakts eindeutig der E-Mail-Verkehr bevorzugt – Ein Denkanstoß für die Fachkräfte!

Zum Thema „Psychotherapie bei Erwachsenen im Autismus-Spekrtum“ gab es außerdem noch einen 2 ½-stündigen Workshop unter der Leitung von Isabelle Dziobek und Sandra Strunz. Auch in dieser Veranstaltung leistete ein Vereinsmitglied einen wertvollen Beitrag: Neben theoretischen Darstellungen gab es Antworten auf z.T. sehr persönliche Fragen der anwesenden Fachkräfte. Diese waren größtenteils engagierte Psychotherapeuten, die sich im Interesse ihrer PatientInnen zum Thema Autismus weiterbilden wollten.

Dass Fachkräfte durchaus daran interessiert sind, die Bedingungen ihrer autistischen KlientInnen zu verbessern, zeigte die große Nachfrage: Der Workshop war komplett ausgebucht. Die Ausführungen aus autistischer Innensicht werden mit Sicherheit dazu beitragen, die Qualität der Psychotherapie autistischer Menschen zu verbessern. Die Mehrzahl der anwesenden TherapeutInnen meinte, diese Anregungen in ihrer Praxis umsetzen zu wollen.

Sonstige Themen auf der WTAS:

Interessant war eine vergleichende Untersuchung über: „Autistische Merkmale bei chronisch depressiven Patienten“ und die Feststellung: „Nahezu die Hälfte der chronisch depressiven Patienten vorliegenden Untersuchung weisen autistische Merkmale auf.“ Die Gründe dafür seien unklar, jedoch könne eine „Adaption der Therapie von Nutzen sein“.

Möglicherweise kann diese Anregung auch umgekehrt auf eine Verbesserung der Psychotherapie von AutistInnen mit Depressionen hinwirken.

Den Posterpreis erhielt Thomas Bergmann (u.a.) mit dem Beitrag über den von ihm entwickelten MUSAD, ein neuartiges nonverbales, auf Musik basierendes, Instrument zur Autismusdiagnostik.

Wer mehr über die fachlichen Inhalte der WTAS 2015 erfahren möchte, kann den vollständigen Tagungsband mit den Abstracts der Vorträge und Posterbeiträge in der Vereinsbibliothek ausleihen.

Aspies e.V. bei Psychoanalytikern in Freiburg



Am 07.02.15 fand in Freiburg das Symposium des aKJP (Verein zur Förderung der Analytischen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie in Freiburg e.V.) zum Thema: „ADHS und Autismus - zwischen Biologie und Beziehung“ statt, an dem auch Mitglieder von Aspies e.V. teilnahmen.

Es war eine sehr interessante Veranstaltung, denn die Psychoanalyse betrachtet das Phänomen „Autismus“ aus einer ganz anderen Perspektive als aus dem allg. Autismusdiskurs gewohnt.

Die Referenten berichteten aus ihrer eigenen Therapiepraxis und dass dabei für sie „Die Diagnose“ eine untergeordnete Rolle spiele. Stattdessen hätten sie die gesamte, individuelle Persönlichkeit jedes Einzelnen im Blick.

Ziel der analytischen Kinder- und Jugendtherapie sei die Entdeckung und die Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit sowie die Verbesserung von Beziehungsfähigkeit. Ohne jegliche „Verhaltensmodifikation“ von außen ...

In der therapeutischen Beziehung würden sich beide Seiten, sowohl Therapeut als auch Patient, weiterentwickeln.

Psychoanalyse und Autismus – das erschien erst undenkbar und dass PsychoanalytikerInnen von AutistInnen profitieren könnten, wenig glaubhaft. Aber als die wirklich engagierten TherapeutInnen warmherzig berichteten, wie sehr sie sich bemüht hatten, dass ihre autistischen jungen PatientInnen ihr eigenes Potenzial erkennen und am Ende besser nutzen konnten, schien das doch nicht mehr so abwegig.

Denn diese TherapeutInnen sprachen nicht nur von Erfolgen, sondern auch von der übergroßen Geduld, zu der sie sich zeitweise durchringen mussten und von persönlicher Frustration, aber auch davon, dass sie trotzdem nicht aufgeben mochten, ihre jungen Patienten verstehen zu wollen. Sie schilderten jedoch auch ihre persönliche Freude, dass aus „ihren“ Kindern am Ende selbstbewusste Jugendliche wurden, die ihre eigenen Stärken und Schwächen kennen und mit sich selbst und ihrer Umwelt besser zurechtkommen.

Auch für Aspies e.V. war das Symposium ein unerwartet großer Erfolg für die Öffentlichkeitsarbeit. Wir fühlten uns willkommen und mit unseren Bedenken ernst genommen. Man war sehr interessiert an uns, man kam ins Gespräch und wir konnten Kontakte für zukünftige Vorhaben knüpfen. Außerdem waren die Aspies e.V. - Flyer sehr beliebt. Unser ganzer Stapel wurde mitgenommen.




Aspies e.V. und Grips Theater Berlin - Theaterpädagogischen Workshop des Grips Theaters
zum Thema ¿Inklusion¿ von Theaterpädagogen und Mitgliedern von Aspies e.V.



im Rahmen der aktuellen Inszenierung des Theaterstücks „Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone“ bietet das Grips Theater in Berliner Schulen theaterpädagogische Workshops zum Thema „Inklusion“ an.

Ziel ist es, in Schulen das Konzept „Inklusion“ vorzustellen. Mit theaterpädagogischen Mitteln können Anforderungen an Veränderungen an einer Schule mit theaterpädagogischen Mitteln spielerisch erfahren werden.

Das Stück ist für Zuschauer ab 14 Jahren. Die Workshopleitung übernimmt jeweils ein 2er-Team aus einer Theaterpädagogin und einer Vertreterin von Aspies e.V.

Eine Bitte an alle, die Verbindungen mit Schulen haben (Eltern, Lehrer, Schüler u.s.w.):
Es wäre toll, wenn ihr auf das Theaterstück u./o. die Workshops hinweisen würdet.

Das ist eine einmalige Gelegenheit, in Schulen auf unsere Bedürfnisse aufmerksam zu machen und einen direkten Beitrag für mehr Inklusion zu leisten. Insbesondere haben wir auch eine Chance, ganz konkret auf die Verbesserung der Lern- und Lebensbedingungen für autistische SchülerInnen hinzuwirken.

Bei Fragen oder für weitere Infos könnt ihr euch gern an veranstaltungen@aspies.de wenden.




Aspies e.V. im Grips-Theater Berlin



Am 22.11.2014 gingen wir Berliner Aspies e.V.-Mitglieder gemeinsam ins Theater:

Das Grips-Theater spielte „Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone“ viele von euch kennen wahrscheinlich diesen Bestsellerroman von M. Haddon. Die meisten von uns fanden die Inszenierung sehr gelungen. Aber es gab auch die Kritik, dass eine Geschichte gewählt wurde, in der es (wieder einmal ...) um einen –Klischee Asperger“ ging: männlich, mathebegabt, von Astronomie fasziniert, sich „keinen Deut“ um die emotionalen Befindlichkeiten seiner Mitmenschen scherend, mit einer Menge motorischer Ticks.

Dennoch erkannten sich viele in einzelnen von Christophers Eigenschaften wieder, so sehr, dass der „Triggerfaktor“ für mache sehr hoch war. Denn die Darstellung der autistischen Hauptfigur durch Kilian Ponert war geradezu perfekt authentisch. Seine schauspielerische Leistung war sogar so überzeugend, dass manche sich fragten, ob sie es nicht doch mit einem „echten“ Autisten zu tun hätten , zumal K. Ponert sogar während der Pause in seiner Rolle blieb.

Er und das Ensemble des Grips Theaters hatten im Vorfeld mit autistischen SchülerInnen der Comenius-Schule zusammengearbeitet und deren „innerweltliche“ Hinweise aufgegriffen. Aber auch erwachsene AutistInnen hatten Anteil an der Vorbereitung: Beispielsweise war Denise Linke maßgeblich an der Erstellung des didaktischen Begleitmaterials zur Inszenierung beteiligt (u.a. mit dem Werbevideo für die Zeitschrift N#mmer, das von den Zuschauern mit ernsthaftem Humor aufgenommen wurde).

Auch Aspies e.V.-Mitglieder konnten auf die Endfassung Einfluss nehmen. Vor der Premiere gab es einen Themenabend mit Diskussion. Da auf dem Podium keine AutistInnen vertreten waren, äußerten wir hier unsere Meinung als Teil des Publikums. Außerdem waren wir zur Voraufführung eingeladen und konnten den „Machern“ noch Tipps aus unserer „Betroffenenperspektive“ geben.

Außerdem möchte das Grips-Theater das Thema „Autismus“ gern noch weiter verfolgen und plant dazu für das Schulhalbjahr 2015 Workshops in Berliner Schulen. Bei der Planung wird sich auch Aspies e.V. engagieren.




Premiere des Films „The Special Need“ in Hamburg und Bremen



Es kommt ein neuer Film mit einem autistischen Protagonisten in die Kinos: „(K)ein besonderes Bedürfnis“ („The Special Need“). Der Film des Regisseurs Carlo Zorratti läuft in deutschen Kinos in der italienischen Originalfassung mit Untertiteln. Im Mittelpunkt des Films steht Enea, ein 29 Jahre alter Autist. Enea hat noch keine Beziehungserfahrungen und wirkt auf Frauen schnell aufdringlich. Seine Freunde Carlo und Alex wollen versuchen, ihm dabei zu helfen, seine sexuellen Bedürfnisse auszuleben, doch erweist sich dies als alles andere als einfach. In Italien ist bezahlter Sex mit Behinderten strafbar, daher machen sich die drei auf dem Weg nach Österreich und Deutschland; erst in ein Bordell und schließlich in ein Institut, das Behinderten ermöglicht, sexuelle Erfahrungen zu machen.

Die Premiere des Films erfolgt u.a. in Hamburg im Kino Abaton am 09.12. um 20.00 Uhr sowie in Bremen im Cinema am Ostertor am 11.12. um 19.00 Uhr. Geplant ist dabei jeweils eine Posiumsdiskussion, an der voraussichtlich der Regisseur, ein Vertreter der „Schatzkiste“ (einer Partnervermittlung für Menschen mit einer Behinderung) und Vertreter von Aspies e.V. teilnehmen werden.




Aspies e.V. auf dem „DGPPN-Kongress“ 2014 in Berlin



Beim diesjährigen DGPPN-Kongress (rund ums Thema „Nerven, Gehirn und Psyche“) war Aspies e.V. auch dabei (am Infostand des „Bündnisses für Seelische Gesundheit“). Es kamen viele Fachkräfte zu uns, nicht nur anerkannte Autismusexperten wie z.B. Prof. Dr. Tebartz van Elst. Es interessierten sich erfreulicherweise auch viele „Neulinge“ für die Besonderheiten und Bedürfnisse autistischer Menschen. Unsere Existenz scheint sich in der Fachwelt mehr und mehr herumzusprechen ;-) … Ebenso der Weiterbildungsbedarf: Fragen gab es nicht nur an uns als „Betroffene“, sondern auch nach „Fachwissen“ oder Literaturtipps. Engagierte TherapeutInnen suchten nach Kontakten für ihre autistischen PatientInnen (waren dankbar für SHG-Adressen und den Hinweis auf unser Selbsthilfeforum). Sogar international: Da freute man sich über die Möglichkeit des fremdsprachigen Austauschs im Forum. Mit viel Glück entstehen jetzt sogar Kontakte mit Kasachstan (auf Russisch) …
Für unsere deutschlandweite Adressdatenbank konnten wir neue Fachkräfte gewinnen.

Autismusrelevante Inhalte des DGPPN-Kongresses

Zum Thema „Autismus¿ gab es leider kaum Neues. Angeboten wurden wieder der Workshop „Das Asperger-Syndrom und andere Autismus -Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter“ (Prof. Dr. Tebartz van Elst/ Dr. Peters) und der Einführungsvortrag über HFA im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter (Prof. Dr. Vogeley/ Prof. Dr. Remschmidt). Neben Bekanntem gab es u.a. einige aktuelle Infos zur Situation von AutistInnen auf dem Arbeitsmarkt. Leider ist die Lage immer noch nicht sehr ermutigend.

Beiträge von 2 Autistinnen (eine davon Aspies e.V. – Mitglied)
Im Workshop erfuhr das Fachpublikum zuerst viel über das Leben als Autistin aus „erster Hand“. Der zweite Beitrag sensibilisierte für die ungerechtfertigten Einschränkungen für AutistInnen auf dem Arbeitsmarkt und dafür, wie einfach die Schaffung geeigneter Bedingungen im konkreten Fall manchmal sein könnte. Beide Vorträge wurden mit großem Interesse und Anteilnahme aufgenommen.

Autismus-Spezialsprechstunde in Tübingen
Dr. med. G. Barth informierte über den Auf- und Ausbau einer Koordinierungsstelle (Koordination existierender Hilfsangebote) zur Unterstützung für Familien mit autistischen Kindern am Universitätsklinikum Tübingen. Geplant sei außerdem die Entwicklung von Therapieangeboten. Am Projekt sei auch die autistische Selbsthilfe maßgeblich beteiligt.

Neues über Geschlechtsunterschiede bei Autismus
Interessantes über geschlechtsspezifische Besonderheiten bei Autismus enthielt der Vortrag von Dr. Lehnhardt (Uni Köln): Laut neueren Daten liege das Geschlechterverhältnis nur noch bei 2:1 (m/w), „wenn man im späteren Alter guckt, im Bereich nach dem Übergang in die Adoleszenz“. Viel spreche für das Vorliegen eines speziell weiblichen Phänotyps. Der sei deutlich unterdiagnostiziert, werde auch erst später diagnostiziert als der männliche. Ein Grund dafür sei, dass bedauerlicherweise die Diagnosekriterien weitgehend nur an männlichen „Betroffenen“ evaluiert seien. Jedoch seien Autistinnen gegenüber Männern nicht nur benachteiligt, denn sie hätten aufgrund ihrer durchschnittlich höheren kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit und besseren Exekutivfunktionen Vorteile bei der Entwicklung von Adaptionsstrategien. Somit könnten Frauen evtl. mehr von sozial-kommunikativen Therapien profitieren als Männer.

Insgesamt spielte das Thema „Autismus“ auf dem DGPPN-Kongress 2014 leider nur eine sehr untergeordnete Rolle. Dennoch konnte Aspies e.V. in der Fachwelt wieder für etwas mehr „Aufklärung“ zugunsten von uns autistischen Menschen sorgen. Und unsere Teilnahme, die auch auf unserem Facebook-Account dokumentiert ist, war ein erfolgreicher Beitrag zur öffentlichen Wirksamkeit unseres Vereins.




Aspies e.V. auf der 14. Bundestagung von Autismus Deutschland e.V. in Dresden



Vom 24. - 26.10.14 fand in Dresden die 14. Bundestagung von Autismus Deutschland, eine der deutschlandweit größten Autismus- Fachtagungen, statt. Aspies e.V. war, gemeinsam mit den Autworkern und Kinea, mit einem Infostand vertreten.

Es bestand großes Interesse an der Arbeit von Aspies e.V. Unser Infostand war während des gesamten Wochenendes jederzeit sehr gut besucht. Neben Fachkräften und Eltern waren auch eine Menge erwachsene AutistInnen aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. Wir kamen mit vielen ins Gespräch und erfuhren so u.a. von Problemen und Aktivitäten von AutistInnen in den einzelnen Bundesländern, die uns bisher noch nicht bekannt waren.

Unsere Flyer waren sehr begehrt. Besonders „Autismus – Was Sie als Arzt oder Ärztin wissen sollten“ und „Frauen und Mädchen mit Asperger-Syndrom“ (von Katharina Sixt) gingen so schnell weg, dass wir am Ende kaum noch welche hatten. Auch für den Hinweis auf unser Aspies e.V. – Selbsthilfeforum als unkomplizierte Möglichkeit des Austauschs war man sehr dankbar. Personen, die unser Forum schon kannten, äußerten sich sehr positiv über die Gestaltung unseres „neuen Forums“ (Ein Lob an unseren Admin und die „Macher“!).

Ein Highlight des Wochenendes: Der spontane Treff mit anderen AutistInnen in der Dresdener SHG. Das Zusammensein mit so vielen verschiedenen „Gleichgesinnten“ aus allen Ecken Deutschlands war nicht nur für die Dresdener (Herzlichen Dank für eure Gastfreundschaft!), sondern für uns alle eine Bereicherung.

Inspirierend waren auch unsere Gespräche mit AutistInnen, die in der Öffentlichkeit bekannt sind, z.B. mit den Künstlern Gee Vero und Stefan Wepil oder dem Autor Peter Schmidt.

Eine Rückmeldung zum Inhaltlichen der Bundestagung:
Die Vorträge von AutistInnen wurden mit großem Interesse verfolgt: Sehr gut besucht war der Vortrag von Hajo Seng (Autworker und Mitglied von Aspies e.V.) über die Situation und die Möglichkeiten von AutistInnen auf dem 1. Arbeitsmarkt. Schade, dass zeitgleich Frau Preißmann über „Mädchen und Frauen mit Autismus“ sprach. Das autistische Publikum musste sich also für ein Thema entscheiden, wo es doch beide gern gehört hätte. Danach gab es einen Vortrag über das Konzept der Firma Auticon, den Herr Müller-Remus und der Autist Fabian Hoff gemeinsam hielten. Jonatan Börns betrachtete in seinem Vortrag „Menschen mit Autismus und ihre Rolle in Forschung und Gesellschaft“ aus seiner eigenen autistischer Perspektive.
Vorträge von Fachkräften: Mehrheitlich begeistert war die (nicht nur) autistische Zuhörerschaft vom „Vortrag zum Mitmachen“ von Annelies Spek: „Achtsamkeit für Menschen mit Autismus“.

Harsche Kritik gab es für den Philosophie-Vortrag von Prof Dr. Thomas Schramme „Kant oder Hume, Pflicht oder Mitgefühl? Menschen mit Autismus als moralische Akteure„. Viele AutistInnen waren entsetzt zu hören, dass sie angeblich zu moralischen Entscheidungen nicht fähig seien … Zwar ist Prof. Dr. Schramme Philosoph, daher bezog sich sein Vortrag nicht auf „real existierende“ Menschen (insbesondere autistische), sondern lediglich auf „Moral“ als philosophische Kategorie. – Dennoch: Ein solcher Vortrag ist auf einer Fachtagung, bei der um die Belange von autistischen Menschen geht, absolut fehlplatziert (zumal die schwachen rhetorischen Fertigkeiten des Referenten nicht einmal ausreichten, um dem Publikum die Differenzierung zwischen Realität und Gedankenexperiment deutlich zu machen …).

Viel Kritik gab es auch am Vortrag „Ein ABA-Team an einem ATZ“ von Julia Buchenau-Schlömer & Claus Lechmann, z.B. für die unmögliche Art der Vorführung alter „Loovas-Dressur-Methoden“. Die zielte darauf ab, das (NT-)Publikum zum Lachen zu bringen, über den damaligen „Unsinn“. Dass autistische ZuhörerInnen diese Art des „Humors“ allerdings sehr makaber und „gar nicht zum Lachen“ fanden, war angesichts des Videos über die entwürdigende Behandlung von Autisten (egal wie groß der Altersunterschied zwischen den heute Erwachsenen und den damaligen Kindern auch sein mag …) mehr als berechtigt. Außerdem äußerten Aspies e.V.-Mitglieder gegenüber den Referenten Kritik an einigen ¿modernen“ ABA-Methoden, die sie im Vortrag beschrieben hatten und in ihrem ATZ anwenden.

Insgesamt war die Teilnahme von Aspies e.V. ein großer Gewinn für unseren Verein. Wir knüpften neue Kontakte und gewannen neue Mitglieder.




Aspies e.V. veranstaltet am 22.6. Autismustag in Berlin



Aspies e.V. veranstaltet am Sonntag, 22. Juni 2014 in Berlin anlässlich des Autistic Pride Days wieder einen Autismustag mit Vorträgen autistischer Menschen bzw. von Autisten organisierter Gruppen, sowie mit verschiedenen Ständen.

Ort: Robert-Havemann-Saal im Haus der Demokratie und Menschenrechte in der Greifswalder Str. 4
Zeit: 10.00 – 18.00 Uhr

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Die Veranstaltung wird von Rainer Döhle (Aspies e.V.) moderiert.

Programm

10.00 Uhr Begrüßung
10.20 Uhr Auftritt Joe Voss, autistischer Musiker, spielt akustische Gitarren-Musik
10.50 Uhr Vortrag von Rainer Döhle über den Selbsthilfeverein "Aspies e.V."
11.10 Uhr Vortrag Henrike Zimmermann über „Autismus und Gefühle“
11.35 Uhr Pause, Verpflegungsmöglichkeit am Buffet
12.00 Uhr Vortrag von Christian Köhler über „Körpergefühl bei Autisten“
13.10 Uhr Vortrag von Hajo Seng über „Autworker“, einem Projekt zur Unterstützung autistischer Menschen auf dem Arbeitsmarkt

14.10 Uhr Mittagspause

15.10 Uhr Auftritt Joe Voss, autistischer Musiker, spielt akustische Gitarren-Musik
15.40 Uhr Die Berliner Autismus-SHG stellt sich vor
16.00 Uhr Kaffeepause
16.30 Uhr Vortrag von Sabine Dessin: „Krisentelefon von Aspies e.V.“
17.00 Uhr Thematische Gesprächsangebote
18.00 Uhr Ende der Veranstaltung

Am Ende eines jeden Vortrages sind 10-15 Minuten für Fragen aus bzw. Diskussionen mit dem Publikum eingeplant.

Die Infostände befinden sich im Vorraum zum Robert-Havemann-Saal. Dort ist auch für einen kleinen Imbiss gesorgt.

Folgende Gruppen und Personen sind mit Ständen vertreten:

Das gesamte Programm und alle Informationen zur Anreise können hier heruntergeladen werden.




Warnung vor MMS



MMS ist ein Mittel, von dem der Hersteller behauptet, dass es u.a. Autismus und ADHS heilen könne. Es wird auch unter den Namen Miracle Mineral Supplement, Miracle Mineral Solution oder Miracle Malaria Solution angeboten.

Dem Kunden wird es als "Wasseraufbereitungsmittel" verkauft. Genau das ist es letztendlich auch - aber keineswegs ein "Heilmittel" für Menschen, wie vom Anbieter suggeriert. Die beiden Komponenten, die man ersteht, sind Natriumchlorit (nicht verwechseln mit Kochsalz, dem harmlosen Natriumchlorid) und einer Säure (meist Zitronensäure). Diese soll der Anwender mischen, um daraus Chlordioxid herzustellen. Chlordioxid wird u.a. zum Bleichen von Stoffen verwendet und wird deshalb umgangssprachlich auch "Chlorbleiche" genannt. Ebenso dient es als Wasseraufbereiter (z.B. um Wasserleitungen keimfrei zu halten) oder wird als Toilettenreiniger benutzt. Zur Anwendung am Menschen ist es nicht geeignet!
Denn Chlordioxid wirkt desinfizierend und stark ätzend.
Genau diese keimtötenden Eigenschaften sollen nun vorgeblich auch die Heilung von Autismus und ADHS bewirken. Einen seriösen Nachweis können aber weder die Anbieter noch der "Entdecker" von MMS, Jim Humble, liefern.
Hingegen wird international von Gesundheitsorganisationen, Ministerien, Verbraucherschutzorganisationen und Ärzten dringend vor der Einnahme dieser Substanz gewarnt. Dennoch erhalten deutsche Giftnotrufzentralen immer häufiger Anrufe wegen Vergiftungs- und Verätzungssymptome, die auf die Anwendung von MMS zurückzuführen sind.

Erschreckenderweise mehren sich in der letzten Zeit auch Fälle, in denen verzweifelte Eltern versuchen, ihr Kind damit von Autismus zu "heilen". Zu diesem Zweck werden die MMS-Tropfen sowohl oral als auch rektal verabreicht. Dies ist jedoch, umso mehr bei non-verbalen, autistischen Kindern, die sich kaum dagegen wehren können, eine mehr als fragwürdige Praxis. Oftmals ignorieren diese Eltern sogar massive Vergiftungsanzeichen, wie Fieber, Übelkeit und Erbrechen, da die Vertreiber dieses Produktes behaupten, diese seien normal und lediglich Anzeichen für den Beginn des "Heilungsprozesses".

Den Warnungen der offiziellen Stellen schließt sich Aspies e.V. an und rät ausdrücklich von der Anwendung von MMS ab.
Auch wenn die Einnahme geringer Mengen, etwa nur weniger Tropfen, wahrscheinlich nicht lebensgefährlich ist, kann es doch zu massiven und dauerhaften Schädigungen kommen.
- Autismus oder ADHS werden mit "Chlorbleiche" aber mit Sicherheit nicht geheilt. -




Aspies e.V. knüpft internationale Kontakte

Aspies e.V., Autistic UK und andere Gruppen planen einen paneuropäischen Zusammenschluss von Autismus-Selbsthilfeorganisationen


Autistic UK (im Internet unter www.autisticrightsmovement.uk), die erste von autistischen Menschen organisierte Organisation in Großbritannien, ist an Aspies e.V. herangetreten mit dem Angebot, zusammen mit anderen Selbsthilfeorganisationen autistischer Menschen einen Kooperationsverbund zu bilden.

Im Bereich Autismus existiert als gesamteuropäische Organisation bislang lediglich Autism Europe, ein Verband von 80 nationalen und regionalen Vereinen in 30 europäischen Ländern. Diese Vereine sind jedoch von Eltern autistischer Menschen geprägte Institutionen; in Deutschland beteiligt sich etwa Autismus Deutschland an Autism Europe. Die Elternverbände dominieren damit national und international seit vielen Jahren den Autismusbereich und auch wenn von ihnen in vielerlei Hinsicht sicherlich wertvolle Lobbyarbeit und praktische Hilfe geleistet wurde, ist es in den Augen von Aspies e.V. an der Zeit, dass auch von autistischen Menschen selbst gegründete und organisierte Vereine eine wichtigere Rolle spielen und dazu gehört auch der Zusammenschluss auf internationaler Ebene.

Selbsthilfe im eigentlichen Sinn des Wortes bedeutet, dass sich Autisten untereinander unterstützen. Aspies e.V. hat hierzu auf nationaler Ebene einen wichtigen Beitrag geliefert, indem es u.a. eine Internetplattform anbietet, auf der sich inzwischen mehrere Tausend Menschen mit Autismus über alle sie bewegenden Fragen austauschen können. Auch wenn dabei Aktivitäten innerhalb Deutschlands fast immer im Vordergrund standen, gab es doch auch immer wieder „Blicke über den Tellerrand“. Im Selbsthilfeforum der Vereinswebsite etwa gibt es seit Längerem eine Rubrik „für alle, die sich mal nicht auf Deutsch austauschen wollen“ und auch unter den Mitgliedern des Vereins hat es fast von Beginn an immer auch solche gegeben, die ihren Wohnsitz m Ausland haben.

Als nunmehr Autistic UK an uns mit dem Vorschlag herangetreten ist, einen paneuropäischen Verband von Vereinen zu gründen, die von Autisten selbst organisiert werden, hat der Vorstand von Aspies e.V. diese Initiative sofort begrüßt und die Bereitschaft erklärt, sich hieran aktiv zu beteiligen, soweit dies mit den Ressourcen des Vereins machbar und rechtlich zulässig ist. So wird der Austausch von Erfahrungen, die die Gruppen in ihren jeweiligen Ländern gemacht haben, sicher den autistischen Menschen in ganz Europa zu Gute kommen; man wird sich von manchen Erfolgsgeschichte aus anderen Ländern etwas abschauen können und Fehler, die andernorts gemacht wurden, besser vermeiden können. Der persönliche Kontakt zwischen engagierten Autisten verschiedener Länder wird helfen, den jeweiligen Horizont zu erweitern und die gemeinsame Lobbyarbeit zu stärken und nicht zuletzt ergibt sich so möglicherweise auch die Chance, Fördergelder der EU zur Unterstützung einer solchen internationalen Arbeit zu bekommen.

Der englischsprachige Raum war in der Vergangenheit in vielen Dingen Vorreiter gewesen, das zeigt sich nicht zuletzt in der deutlich größeren Zahl an Publikationen in englischer Sprache zum Thema Autismus im Vergleich zu deutschsprachigen Texten. Mittlerweile haben aber auch Autisten in Deutschland einiges an Erfahrungen bei der Organisation der Selbsthilfe sammeln können, sodass auch wir etwa im Vergleich zu Ländern, in denen die Autismus-Selbsthilfe deutlich später eingesetzt hat oder bis heute in den Anfängen steckt, Unterstützung und Hilfe anbieten können. Dort, wo gemeinsame Interessen mit Elternverbänden bestehen, wird man auch mit diesen kooperieren können. Eine eigenständige Organisation auf europäischer Ebene, in der sich Autisten auch selbst zu Wort melden, hat es aber so bislang noch nicht gegeben und Aspies e.V. wird seinen Teil dazu beitragen, dass dieser europäische Zusammenschluss von Autisten zum Erfolg wird.




Erklärung von Aspies e.V. zum Welt-Autismustag am 2.4.2013

Aspies e.V. beteiligt sich an Initiative gegen diskriminierenden Umgang mit dem Thema Autismus in den Medien


Anlässlich des Welt-Autismustages wurde auf Facebook eine „Protestaktion gegen die Verwendung des Wortes „Autismus“ im Zusammenhang von Politik, Wirtschaft und Amokläufen“ ins Leben gerufen. Aspies e.V. hat sich dieser Initiative angeschlossen und eine Erklärung zu dieser Thematik verfasst und sie an den Deutschen Presserat geschickt.

Am 14.12.2012 kam es an einer Schule der Stadt Newtown in Connecticut zu einem Amoklauf, der 28 Menschen das Leben kostete. Es wurde spekuliert, dass der Täter das Asperger-Syndrom gehabt habe und in Deutschland war in einem Artikel auf SPIEGEL-Online sogar ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Autismus und der Gewalttat hergestellt worden. Dies hatte unter autistischen Menschen verständlicherweise für eine Welle der Empörung gesorgt. Der Welt-Autismustag sollte nunmehr zum Anlass genommen werden, diese Thematik erneut aufzugreifen und über die Verbindung mit dem Amoklauf hinaus öffentlich Kritik am gedankenlosen und diskriminierenden Sprachgebrauch, der in Teilen der Medien im Umgang mit Autismus herrscht, zu üben.

Die vergleichsweise kurzfristige Aktion erlaubte dabei häufig nur eher spontane Aktionen, aber Aspies e.V. beteiligte sich daran gerne in Form einer eigenen Erklärung, die dem deutschen Presserat vorgelegt wurde. Auf Facebook erklärten sich über 500 Menschen mit der Protestseite solidarisch. Ziel der gesamten Aktion war insbesondere, gegen Klischees rund um das Thema Autismus anzugehen. Autistische Menschen pauschal zu potenziellen Gewalttätern zu erklären, ist dabei nur das extremste Beispiel. Mindestens ebenso problematisch ist die grassierende Tendenz, in öffentlichen Diskussionen die Begriffe „Autismus“ oder „autistisch“ als Schimpfwörter oder in der Absicht zu verwenden, andere zu diskreditieren. Die negativen Auswirkungen, die das auf autistische Menschen selbst und auf ihre Wahrnehmung durch die Gesellschaft hat, wird entweder nicht gesehen oder in Kauf genommen. Die Facebook-Aktion macht nun deutlich, dass sich Autisten hiergegen wehren. Sie wollen nicht auf das Klischee eines Freaks, eines verrückten Genies oder eines empathieunfähigen Sonderlings reduziert werden; viele Teilnehmer der Aktion präsentierten sich mit einem Foto, um deutlich zu machen, dass es um Menschen mit einem Gesicht und mit einer individuellen Persönlichkeit geht. Es geht um Menschen, die für andere keine Gefahr, sondern eine Bereicherung darstellen. Menschen, die selbstverständlichen Respekt einfordern, gerade auch von Vertretern der Medien.

Die Vorurteile und verzerrenden Darstellungen im Bereich Autismus wird man allerdings sicher auch nicht von heute auf morgen aus den Medien herausbringen. Es wird einer kontinuierlichen Anstrengung, auch von Aspies e.V., bedürfen, hier immer wieder auf Fehlleistungen von Journalisten hinzuweisen und das Bewusstsein für einen angemessenen Umgang mit den Begriffen „Autismus“ und „autistisch“ zu sorgen.




Mitgliederversammlung 2013 in Berlin

Neuer Vorstand – neue Aufgaben


Am 16./17. März fand die diesjährige Mitgliederversammlung im Haus „Alte Fasanerie“ im Norden Berlins statt. Rainer Döhle ergänzt nunmehr den bisher aus Hajo Seng, Andreas Danielyan und Marion Sieder bestehenden Vorstand. Auf dem Programm standen neben den üblichen Formalien und dem Beschluss des Haushaltsplans Diskussionen zur Zukunft des Selbsthilfeforums und zu anderen Vereinsaktivitäten im kommenden Jahr.

Ort der Veranstaltung war eine Freizeitstätte in Lübars, zu der etwa 10 Personen den Weg gefunden haben und wo einige von ihnen auch übernachtet haben. Zunächst waren die üblichen Formalien zu klären, dann trug Hajo den Tätigkeitsbericht für das vergangene Jahr vor. Hervorzuheben sind dabei insbesondere der Auftritt von Ulrike auf der WTAS im Rahmen einer Diskussion zum Thema „Autismus, eine Modediagnose?“, der Stand von Aspies e.V. auf dem DGPPN-Kongress, die Ausweitung des Bibliotheksbestands auf rund 100 Titel, die Mitarbeit im Leitlinienprojekt und der Kontakt zum Behindertenbeauftragten und der weitere Ausbau des Selbsthilfeforums und der Informationsangebote auf der Website des Vereins.

Es folgte der Kassenbericht von unserem Kassenwart Andreas. Der Kassenprüfer erklärte, dass die Kontoführung des Vereins nicht zu beanstanden war und die Mitgliederversammlung entlastete den Vorstand, in den dann auch Rainer Döhle als viertes Mitglied gewählt wurde.

Es folgte eine Diskussion über die Zukunft des Selbsthilfeforums. Die Forumsmoderation hatte dabei einen Bestand an Regeln für das Miteinander ausgearbeitet, der von der Mitgliederversammlung gebilligt wurde. Es ist außerdem angesprochen worden, dass es im technischen Bereich Umstellungen bei der Forensoftware geben wird, die sich aber nicht wesentlich auf die Inhalte auswirken werden. Außerdem soll die Trennung zwischen dem Selbsthilfeforum und dem Vereinsforum wieder rückgängig gemacht werden, da sich gezeigt hat, dass die Trennung zu einer vergleichsweise geringen Beteiligung von Vereinsaktiven im Vereinsforum geführt hat.

Für den 16.6. wird Aspies e.V. in Berlin im Haus der Demokratie und Menschenrechte, wo sich auch das Vereinsbüro befindet, einen Autismustag abhalten, um dessen Organisation sich Rainer kümmern wird und bei dem autistische Referenten und von Autisten organisierte Gruppen im Mittelpunkt stehen; damit wird diese Veranstaltung die Tradition der Autismustage in Plauen, Kiel und Potsdam fortsetzen. Aspies e.V. konnte einen Praktikanten gewinnen, der bei der Vorbereitung dieser Veranstaltung mitwirken wird; insbesondere aber wird er mithelfen, Vereinsstrukturen und -abläufe künftig effizienter zu gestalten.

Künftig sollen sowohl für die Mitglieder als auch für alle anderen Nutzer der Website die Informationsangebote zur Vereinsarbeit nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ deutlich erweitert werden. So werden die Mitglieder regelmäßig über Rundmail über aktuelle Vereinsaktivitäten auf dem Laufenden gehalten und auch auf der Website werden künftig Beiträge über derartige Initiativen und Veranstaltungen veröffentlicht – dieser Bericht zur Mitgliederversammlung ist dazu ein Anfang.

Es wurde darauf hingewiesen, dass es eine heftige Kontroverse innerhalb der Autisten-Commnity in Deutschland über die Berichterstattung des SPIEGEL zum Massaker an einer Schule in den Vereinigten Staaten gegeben hat. Aspies e.V. hatte diese Gelegenheit nicht zu einer eigenen Stellungnahme genutzt, allerdings hat sich nach der Mitgliederversammlung anlässlich einer Facebook-Initiative zum Welt-Autismustag am 2.4. dann doch noch die Gelegenheit zu einer Wortmeldung des Vereins gegeben. Es bleibt jedenfalls auch in diesem Jahr genug zu tun und jeder, der mit anpacken will oder Ideen zur Vereinsarbeit beisteuern kann, ist natürlich herzlich willkommen.